Der Edersee

Der Edersee liegt im Norden Hessens im Nationalpark Kellerwald-Edersee und ist einer der größten Stauseen der Bundesrepublik Deutschland. In den Jahren 1908 bis 1914 wurde hier die 48 Meter hohe Edertalsperre errichtet und der wichtigste Zufluss der Fulda zum heutigen Edersee aufgestaut. Die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Edertalsperre dient in erster Linie der Möglichkeit, den Wasserstand in der für die Schiffahrt wichtigen Weser sowie dem Mittellandkanal zu regulieren und somit die dortige ganzjährige Befahrbarkeit zu gewährleisten. Heute zählt der Edersee zu einem der wichtigsten Ausflugsziele der Region und ist bekannt für seine vielfältigen Wassersportmöglichkeiten. Auch Wanderer und Aktivurlauber kommen im Umland des Edersees auf ihre Kosten.

Obwohl der Wohnmobilstellplatz am Gasthaus Seeblick direkt an einer der wichtigsten Straßenkreuzungen am Edersee liegt, ist von der Straße nur wenig zu hören. Ich schlafe ausgesprochen gut und bin entgegen meiner eigentlichen Gewohnheit als Langschläfer bereits um halb neun wach und ausgeschlafen. Das Badezimmer des Stellplatzes ist durchaus renovierungsbedürftig, die Regenwald-Dusche dafür angenehm warm.

Bus 510 Edersee

Bus 510 auf der Uferstraße

Gegen halb zehn mache ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle direkt am Stellpatz. Dank des 9-Euro-Tickets ist auch die Busfahrt am Edersee bereits bezahlt und das Didimobil darf sich einen weiteren freien Tag genehmigen. Alle Stunde verbindet ein Linienbus der Linie 510 den Wohnmobilstellplatz am Gasthaus Seeblick mit der Edertalsperre, der Standseilbahn zum Peterskopf sowie den Bahnhöfen in Korbach und Bad Wildungen. Nach fünf Minuten Fahrt entlang der Uferstraße erreicht der Bus die Edertalsperre. 

Die Edertalsperre

Edertalsperre

Edertalsperre

In den Jahren von 1908 bis 1914 wurde die Edertalsperre in massiver Bruchsteinbauweise errichtet und die Eder damit zum drittgrößten Stausee Deutschlands aufgestaut. Die an der Oberkante 400 Meter lange und sechs Meter breite Staumauer gelangte im Zweiten Weltkrieg zu unrühmlicher Bekanntheit, als britische Bomber das Bauwerk in der Nacht zum 17. Mai 1943 stark beschädigten und damit eine rund fünf Meter hohe Flutwelle auslösten, die schätzungsweise bis zu 70 Menschen flussabwärts das Leben kostete und starke Verwüstungen bis weit ins obere Wesertal hinein verursachte. Ein kleines, privat geführtes Museum in Hemfurth-Edersee erzählt die Geschichte dieser schicksalshaften Nacht. Es soll sich dabei jedoch sehr auf den militärischen Aspekt konzentrieren, weshalb ich mir einen Besuch erspare.

Durchblick auf der Edertalsperre

Durchblick auf der Edertalsperre

Edertalsperre mit Burg Waldeck im Hintergrund

Edertalsperre, im Hintergrund Burg Waldeck

Sperrmauer-Museum

Sperrmauer-Museum

Edersee Atlantis

Im Zuge der Aufstauung des Edersees mussten mehrere Dörfer umgesiedelt werden. Bekannt als Edersee-Atlantis tauchen bei extremem Niedrigwasser insbesondere im Spätsommer regelmäßig die Überreste der damaligen Siedlungen Asel, Berich und Bringhausen aus den Fluten des Stausees auf. Bei Vollstau liegt der Pegel des Edersees auf 243m über dem Meeresspiegel, derzeit befindet er sich auf rund 233 Metern über dem Meer. Aufgrund der langen Trockenheit in den letzten Monaten sind dies etwa vier Meter weniger als für Juli üblich. Dadurch ist bereits jetzt, einen guten Monat früher als normal, nicht nur die Schiffahrt auf dem Edersee stark eingeschränkt. Ab einem Wasserstand von 235 Metern über dem Meeresspiegel erscheinen die ersten Relikte des Edersee-Atlantis an den Ufern des Edersees.

Alt-Berich

Ganz in der Nähe des Wohnmobilstellplatzes in Waldeck lag das kleine Dorf Berich. Hier kommt ab einem Wasserstand von 230 m ü.NN der ehemalige Friedhof zum Vorschein, dessen Grabstellen vor der Flutung mit Steinplatten versiegelt wurden. Am Abend des 18.07.2022 sind bereits die Grundmauern ehemaliger Wohnhäuser sowie die Überreste der einstigen Kirche von Alt-Berich zu erkennen. Vor der Umsiedelung lebten 134 Menschen in Alt-Berich, die allesamt nach Neu-Berich bei Bad Arolsen umsiedelten.

Gedenkstein Alt-Berich

Gedenkstein Alt-Berich

Dorfstelle Berich

Dorfstelle Berich

Ehemalige Kirche, Alt-Berich

Ehemalige Kirche, Alt-Berich

Aseler Brücke

Bei ausreichend hohem Wasserstand verbindet eine kleine Fähre das Nordufer des Edersees an der Mündung des Aselbaches mit Asel-Süd am Südufer des Sees. Bis zur Flutung des Edersees hingegen lag hier der kleine Ort Asel mit 175 Einwohnern sowie einer Straßenbrücke. Ab einem Wasserpegel von 235 Metern kommt diese als überraschend gut erhaltenes Relikt als Teil des Edersee-Atlantis wieder ans Tageslicht. Von den damals 175 Einwohnern siedelte sich nur ein kleiner Teil im heutigen Asel-Süd an, die meisten Menschen zog es hingegen in die Gegend um Vöhl. Am Morgen des 20.07.2022 ist die ehemalige Aseler Brücke schon nahezu komplett aus den Fluten aufgetaucht.

Aseler Brücke, Blick Richtung Asel-Süd

Aseler Brücke und Asel-Süd

Aseler Brücke

Aseler Brücke

Aseler Brücke

Aseler Brücke, Blick Richtung Vöhl

Peterskopfbahn

Auf der süd-westlichen Seite der Sperrmauer gibt es etwas touristische Infrastruktur, die sich langsam füllt. Ich hingegen mache mich auf den Weg zu einer weiteren „Attraktion“ am Edersee: Der Peterskopfbahn. Die Standseilbahn gehört zum Pumpspeicherkraftwerk Waldeck I und wird vom Energiekonsortium Uniper betrieben, die Talstation befindet sich auf dem Areal der Pumpspeicherkraftwerke Waldeck I und II. In den Sommermonaten von April bis Oktober ist die Bahn neben dem Material- und Personaltransport auch für die Öffentlichkeit geöffnet. Für 4,-€ (6,-€ hin und zurück) erklimmt die Bahn immer zur vollen Stunde die gut 917 Meter lange Strecke vom Ufer der Eder bis auf den 507 Meter hohen Peterskopf und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 280 Metern. Während der zehnminütigen Fahrt entlang der massiven Wasserrohre erfährt man durch den Fahrer viel Wissenswertes über die Funktionalität des Pumpspeicherkraftwerkes.

Peterskopfbahn Strecke

Die Trasse der Peterskopfbahn

Peterskopfbahn in der Bergstation

Peterskopfbahn in der Bergstation

Peterskopf

Unweit der Bergstation am Peterskopf befindet sich die Jausenstation Zum Waldböker. Hier kann man sich hervorragend bei kleinen Snacks und Heiß- und Kaltgetränken für eine ausgiebige Wanderung auf den Höhen des Kellerwaldes stärken. Gleich nebenan befindet sich das Hochspeicherbecken des Pumpspeicherwerkes. Von der Aussichtsplattform  am oberen Rand auf 541 Höhenmetern genießt man einen wunderbaren Weitblick über den Edersee, den Nationalpark Kellerwald-Edersee und natürlich auf die Staumauer.

Hochspeicherbecken Peterskopf

Hochspeicherbecken Peterskopf

Kunstmuseum Dr. Spyra am Edersee

Ich wage den vier Kilometer langen Abstieg hinunter zu Fuß. 34°C zeigt das Thermometer hier oben auf über 500 Metern an, ein Großteil des Weges verläuft durch den Wald. Nach etwa 45 Minuten bin ich wieder unten an der Eder. Hier komme ich an einem reich verzierten und mit allerlei Krempel dekorierten Haus vorbei. Es ist das Kunsthaus von Dr. Reinhold Spyra. Viele Informationen über das Kunstmuseum des ehemaligen Arztes bekommt man nicht, ausser dass Dr. Spyra für 4,-€ Gruppen nach telefonischer Voranmeldung eine Führung durch seine Ausstellung anbietet. Ich bin keine Gruppe und eigentlich auch ein Kunstbanause, deshalb belasse ich es bei zwei Schnappschüssen vom Aussenbereich des Kunsthauses des Dr. Spyra in Helmfurth.

Kunsthaus Dr. Spyra

Kunsthaus Dr. Spyra, Helmfurth

skurille Kunst

Skurille Kunst, Kunsthaus Dr. Spyra

Zündstoff City

Ebenfalls skuril ist das amerikanische Westerndorf, an welchem sich die Bushaltestelle für den Rückweg zum Didimobil befindet. Neben einem sehr beliebten Restaurant und Biker-Treff wurde hier ein Motel im Stile eines US-amerikanischen Außenposten des 19. Jahrhunderts errichtet. Zündstoff City heißt der Ort, und übernachtet wird ganz stilecht im Sheriff’s Office, im Saloon oder bei Doc Holliday. Eine wirklich lustige Idee, und äusserlich toll umgesetzt.

Zündstoff City

Zündstoff City

Veranda

Motel-Veranda

Willkommen bei Doc Holliday

Willkommen bei Doc Holliday

Ich fahre zurück zum Didimobil. So ganz fit fühle ich mich nach meiner überstandenen Corona-Infektion vor drei Wochen noch immer nicht; vielleicht liegt es aber auch nur an der Hitze. Im Didimobil reiße ich alle Fenster auf und chille und döse zwei Stunden vor mich hin. Einfach mal nichts tun im Urlaub – vermutlich hat mir wirklich irgendetwas aufs Gemüt geschlagen. 😉

Waldecker Bergbahn

Gegen halb fünf raffe ich mich dann doch noch einmal auf. Auf einem Berg direkt oberhalb des Didimobils thront die Burg oder auch das Schloss Waldeck über dem Edersee. Ich entschließe mich dazu, ganz wagemutig mit der 60 Jahre alten Seilbahn die 120 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Die Talstation der Waldecker Bergbahn befindet sich direkt neben dem Wohnmobilstellplatz, eine einfache Fahrt kostet fünf Euro. Die Gondeln fassen lediglich zwei Personen, wobei zu hoffen bleibt, dass keine der beiden Personen Essen zu ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigung auserkoren hat.

Waldecker Bergbahn Talstation

Waldecker Bergbahn – Talstation

Mini-Gondel der Waldecker Bergbahn

Mini-Gondel der Waldecker Bergbahn

Die Strecke von 650 Meter überwindet die winzige Gondel in rund vier Minuten, die Bergstation befindet sich am Rande des Hauptortes Waldeck. Von hier sind es wenige hundert Meter bis zum Schloss Waldeck, welches heute ein Hotel beherbergt.

Schloss Waldeck am Edersee

Edersee-Panorama Schloss Waldeck

Edersee-Panorama von Schloss Waldeck

Schloss Waldeck – manchmal auch Burg Waldeck genannt – ist eine „schlossartig ausgebaute Burganlage aus dem 12. Jahrhundert“ (Wikipedia). In seiner bewegten Geschichte von der Burg zum Schloss war Schloss Waldeck mal die Residenz der Grafen von Waldeck, mal Festung, Kaserne, Zuchthaus oder Frauengefängnis. Neben dem Hotel finden sich auf Schloss Waldeck heute ein teures, dem Geldadel vorbehaltenes Restaurant sowie ein Museum mit Exponaten aus der Zeit als Frauengefängnis. Von daher reicht dem Kunstbanausen und Durschnittsmenschen Didi der Anblick von aussen und der tolle Blick von der Schlossterrasse über den Edersee und den Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Aufgang zu Schloss Waldeck

Aufgang zu Schloss Waldeck

Innenhof Schloss Waldeck

Innenhof Schloss Waldeck

Schlossterrasse Schloss Waldeck

Schlossterrasse Schloss Waldeck

Zu Fuß geht es durch den Wald den Berg wieder hinunter. Da es mir gestern dort wirklich gut gefallen hat (und weil es das einzige Lokal weit und breit ist, welches auch nach 17 Uhr noch geöffnet hat 😉 ), gehe ich wieder zum Bistro am See und genieße den Abend bei noch immer knapp 30°C bei Frikadellen, Pommes und einem kühlen Hefeweizen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert