Cornwall 2017 – Teil 1: Nicht schon wieder…

Wie immer und doch ganz anders

Mittwoch, 12.07.2017

„Wo geht denn die große Reise dieses Jahr hin?“, wurde ich schon des Öfteren gefragt. Die Antwort ist ernüchternd: Sie fällt aus. Einem meiner besten Freunde ist im Frühling ein kleines „Missgeschick“ mit seiner langjährigen Freundin passiert, sodass sich die Familie zum Jahresende hin zwangsläufig vergrößern wird. Und daher muss im Sommer – mitten in der Didimobil-Urlaubszeit – natürlich standesgemäß geheiratet werden.

Geheiratet wird auch bei lieben Eishockeyfreunden in Nottingham, und wie weit Fanfreundschaften im Kufensport reichen, wird dieser Reisebericht am Rande aufzeigen. Jedenfalls haben neun Hambuger die große Ehre, zu diesem erfreulichen Ereignis eingeladen zu sein. Und wie das mit dieser schrecklichen Flugangst nun einmal ist, muss das Didimobil erneut die eher langwierige und triste Reise auf sich nehmen. Dieses Mal allerdings alleine mit Didi. Der größte Fan des Didimobils und Lieblingsmitreisende hat noch keine Schulferien, allen anderen (u.a. der Chefkoch und seine Frau) waren Reisezeit und Kosten bei einem Flugpreis von nur 30,-€ hin und zurück einfach zu hoch für einen Roadtrip.

Bald ein Markenzeichen der Didimobil-Touren: Grenzgiraffe

Erste Überlegungen, die Hochzeit mit einem Roadtrip nach Schottland zu verbinden, wurden schnell ad acta gelegt: Erstens soll es vermutlich nächstes Jahr nach den Playoffs in den Norden gehen. Zweitens war es der „Sohn“, der schon vor zwei Jahren unbedingt einmal mit dem Didimobil dort hinauf wollte, weshalb ihm die Ehre zuteil werden sollte, als erstes mit dem Didimobil dorthin zu reisen. Und drittens gibt es dort im Sommer menschenfressende Mückenarten, die einem das Leben zur Hölle machen.

Hattem (bei Zwolle, NL)

Die Hochzeit findet am Samstag statt. 800 Kilometer und eine siebenstündige Fährfahrt lassen mich bereits am Mittwoch direkt nach der Arbeit starten. Um 17 Uhr stellt sich das Didimobil also brav im allabendlichen Hamburger Feierabendverkehr im Stau vor den Elbbrücken an. Es regnet und stürmt, nichts Neues für einen Start in ein Englandabenteuer. Eine knappe halbe Stunde für sechs Kilometer – läuft. Danach ist die Autobahn jedoch frei, kein Stau in Bremen trotz Megabaustelle. Gegen 20 Uhr ist der Autohof bei Cloppenburg erreicht. Kleine Stärkung beim „Goldenen M“ – die Erinnerung an die alte Dame, die sich einst so überschwenglich freute, uns zu kennen, wird für immer währen.

Nicht mehr weit bis Eng(e)land.

Die Fahrt über die B213 in den Sonnenuntergang hinein ist angenehm, wenig LKW-Verkehr und das Radio spielt „Meat Loaf“. Dennoch war es bisher mit Mitreisenden irgendwie interessanter. Um 21:30 ist die „Grenzgiraffe“ bei Klazienaveen erreicht, etwas wehmütig ob des fehlenden Beifahrers kommt langsam aber sicher trotzdem Urlaubsstimmung auf. Eine Stunde später steuere ich den Wohnmobilstellplatz an der Marina in Hattem bei Zwolle an. Hier waren wir bereits auf der ersten „Playoff-Tour“ im Jahre 2015, dieses Mal allerdings mit der Gewissheit, dass kein Mitfahrer zu lange duschen wird. 😉

„Brentry“ statt „Brexit“

Donnerstag, 13.07.2017

Um neun Uhr klingelt der Wecker, die Fähre im knapp 200 Kilometer entfernten Hoek van Holland soll um 14 Uhr ablegen. Ich rechne mit etwa drei Stunden Fahrt dorthin. Um halb zehn verlasse ich Hattem, die Autobahn ist selbst um Utrecht staufrei und so erreiche ich Hoek van Holland bereits um kurz vor zwölf. Zeit, für einen kleinen Strandspaziergang, bevor es auf die lange Schifffahrt geht.

Dünen am Strand von Hoek van Holland

Auf den Massenansturm vorbereitet: Hoek van Holland

Zwei Autominuten vom Strand entfernt befindet sich das Fährterminal der Stena-Line. 1,5 Stunden vor Abfahrt bin ich da, der Check-In verläuft gewohnt reibungslos. Auf das Schiff darf das Didimobil aber erst kurz vor Abfahrt und wird zu allem Übel noch auf ein Deck mit einer lichten Höhe von nur 2,70m geschickt – exakt die in den Fahrzeugpapieren angegebene Höhe des Didimobils. Beim Verlassen der Fähre soll sich herausstellen, dass es gerade eben so passt.

Hochbetrieb auf der Nordsee

Ich habe mir eine Kabine für die sechseinhalbstündige Überfahrt nach Harwich gegönnt. Außenkabine mit Meerblick für 20,-€. Es würden sogar drei Personen hineinpassen, und die Kabine ist geräumiger als die Hotelzimmer im „Cabinn“-Hotel in Odense. 😉

Vom Deck aus begleite ich die Abfahrt aus Holland, im Restaurant gibt es leckeres Chicken Tikki Marsala und zum Nachtisch ein Mousse au Chocolat, dessen Qualität bei unserer ersten Überfahrt mit dieser Fähre im April um Längen besser war. Was solls, noch einen Kaffee und die ansonsten unspektakuläre Überfahrt dösend in der Kabine verbracht.

Felixstowe, Landguard Fort

Bestens gerüstet für den Brexit: Landguard Fort 😉

Die Ankunft in Harwich ist immer sehr langwierig. Nur langsam darf das Schiff die Einfahrt in den Hafen einfahren, der sich gegenüber des größten Frachthafen Großbritanniens in Felixstowe befindet. Und drehen muss die Fähre in dem engen Hafenbecken auch noch, damit die Fahrzeuge das Schiff vorwärts wieder verlassen können.

Als einer der Letzten verlässt das Didimobil unter strenger Aufsicht eines Mitarbeiters die Fähre – die 2,70m Deckenhöhe waren wohl ziemlich knapp bemessen. Die Grenzkontrollen verlaufen schleppend, allerdings kommt das Didimobil auch mit nur einem Insassen problemlos am Zoll vorbei.

Den holländischen T3 mit Sportwagen als Anhänger sollen wir morgen wiedertreffen.

Im April wollten wir eigentlich unseren ersten Stop am „Strangers Home Public House“, rund 15 Autominuten vom Hafen in Harwich entfernt, einlegen. Aufgrund Besitzerwechsels hatte er damals leider spontan geschlossen. Heute hat er geöffnet, 25 Pfund für eine Übernachtung sind jedoch ganz schön happig wenn man davon ausgeht, dass die meisten Camper eventuell auch noch Umsatz im Pub machen wollen. Ich belasse es bei zwei einheimischen Bieren und begebe mich alsbald ins Bett.

Überall Geisterfahrer auf der Insel. 😉

Strangers Home, Bradfield

Same procedure as every time

Freitag, 14.07.2017

Mein „Ziehsohn“ und Lieblingsbeifahrer kommt heute morgen mit seiner Mutter per Flugzeug aus Hamburg angereist, gegen 11 wollen die Beiden in Manchester landen und unser gemeinsamer Freund, der „Engländer“, wird sie mit dem Auto abholen. Ich freue mich auf ein gemeinsames Astra im Didimobil, eventuell wollen die Drei auf dem Heimweg am Campingplatz vorbeischauen. Also stehe ich um halb acht auf, um bloß rechtzeitig in Nottingham einzutreffen. Eine Stunde später mache ich mich über Landstraßen durch die schöne Grafschaft Essex auf Richtung Nottingham. Nach etwa zwanzig Minuten erreiche ich die Autobahn Richtung Cambridge

Mistley, Essex

Mistley Towers, Mistley, Essex

Manningtree. Nichts los am frühen Morgen.

Die Autobahn ist eigentlich eine vierspurig ausgebaute Bundesstraße und nennt sich A14. Dennoch darf das Didimobil auf der bemerkenswert schlechten Straße Vollgas geben, was in etwa 95 Kilometern oder 60 Meilen pro Stunde entspricht.

Dass Engländer Bullis lieben, hatte ich bereits in einem meiner letzten England-Reiseberichte erwähnt. Irgendwie traurig ist es dennoch, wenn einen auf der Autobahn ein T1, also der Großvater des Didimobils, uneinholbar überholt. 😉

Schneller Großvater. 😉

Inzwischen auf der M11 in den Norden wird das Didimobil von einem weiteren Bulli überholt: Es ist der holländische T3 mit dem Oldtimer als Anhänger, der gestern an der Zollkontrolle ein paar Fahrzeuge vor dem Didimobil stand. Letztes Mal war es ein britischer T4, den wir auf dem Rückweg kurz vor Hamburg wiedertreffen sollten, und 2014 in Norwegen sollte es ein Bruder des Didimobils sein, an dem wir zwei Tage später vorbeigefahren sind. 🙂

Den haben wir gestern doch schon mal gesehen? 😉

Kurz vor 14 Uhr erreicht das Didimobil nach sportlichen vier Stunden inkl. halbstündiger Pause den altbekannten Campingplatz Thornton’s Holt in Stragglethorpe vor den Toren Nottinghams. Didis Hamburger Freunde, auf die er so sehnsüchtig wartet, hatten erst eine gute Stunde Verspätung mit dem Flieger und stecken jetzt stundenlang mitten im britischen Verkehrschaos fest, sodass sie erst gegen Abend in Nottingham eintreffen. Den Abend verbringen wir zu viert bei einem gemeinsamen Dinner im Pub und anschließend gibt es dann noch das langersehnte Willkommens-Astra im Didimobil auf dem Campingplatz. 🙂

Die Hochzeit

Samstag, 15.07.2017

Heute findet die große Hochzeit statt. Am Mittag werden wir standesgemäß mit einem roten Doppeldeckerbus zur Trauungszeremonie gefahren, anschließend gibt es ein Festmahl im Legend’s, dem Pub, dessen Wirtin unsere heiratende Hockey-Freundin ist, und später werden wir drei Hamburger und unser englischer Freund wie eigentlich immer zu den letzten Gästen eines rundum gelungenen Tages gehören.

Stilecht mit dem roten Doppeldecker zur Hochzeit. ♥

Auf Entdeckungstour

Sonntag, 16.07.2017

Die Schule ruft, und so machen sich „Ziehsohn“ samt Mutter und per Zufall dem Rest der Hamburger auf den Weg zum Flughafen. Der Flieger soll gegen 15 Uhr starten, der Engländer wollte gegen 16 Uhr wieder zurück in Nottingham sein.

Schleuse am nicht mehr ganz funktionstüchtigen Grantham Kanal

Didi schaut sich derweil in der Näheren Umgebung den inzwischen funktionslosen und ziemlich zugewachsenen Grantham Kanal an, der sich am Rande eines renaturierten Kohleabbaugebietes zwischen den Ortschaften Stragglethorpe und Cotgrave befindet. Zwischenzeitlich verspätet sich der Flug von Didis Hamburger Freunden immer weiter, angekündigt ist er bereits für weit nach 19 Uhr.

Interessante Pflanzenarten

Der Engländer lässt die Hamburger irgendwann einfach am Flughafen stehen. Am Abend wollen seine Eltern mit uns essen gehen, und Sachen packen für morgen muss er schließlich auch noch: Er wird das Didimobil auf der ersten international besetzten „NottingHAMburg„-Reise begleiten. 🙂

 

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