Stormarn – Roadtrip zwischen Hamburg und Lübeck

Gut 60 Kilometer liegen die beiden Hansestädte Hamburg und Lübeck auseinander, 45 Minuten benötigt der rote Regionalexpress von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Mit dem Auto kann es unter Umständen etwas länger dauern, gerade an Wochenenden gelangt die dreispurige Autobahn A1 durch Wochenend-Urlauber oftmals an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Felder und Ortschaften, die während Fahrt am Fenster vorbeirauschen, gehören zum Kreis Stormarn. Mit seinen rund 240.000 Einwohnern steht der flächenmäßig zweitkleinste Kreis Schleswig-Holsteins an vierter Stelle im nördlichsten Bundesland hinter den Kreisen Pinneberg, Segeberg und Rendsburg-Eckernförde. Stormarn zählt zur Metropolregion Hamburg und gehört zu den zwanzig kaufkraftstärksten Landkreisen Deutschlands. Dennoch ist das Bindeglied zwischen der Hansestadt Hamburg und der Hansestadt Lübeck gerade im nördlichen Teil eher landwirtschaftlich geprägt, während sich die größeren Siedlungen eher im Süden im Hamburger Speckgürtel befinden. Gleichzeitig ist der Kreis Stormarn die Heimat des Didimobils, daher auch das Autokennzeichen OD, welches für die Kreishauptstadt Bad Oldesloe steht. Begleite das Didimobil auf einer spannenden Entdeckungstour durch Stormarn auf einem Roadtrip zwischen Hamburg und Lübeck.

Stormarn - Roadtrip zwischen Hamburg und Lübeck

Stormarn – Roadtrip zwischen Hamburg und Lübeck

Roadtrip durch Stormarn

Im Mai 2020 machte sich das Didimobil auf einen Roadtrip durch seinen Heimatkreis. Mehr an schönen Orten als an Kultur interessiert, ist eine sehr subjektive, rund 150 Kilometer lange Erkundungstour bei herausgekommen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Roadtrip lässt sich an verschiedenen Orten beginnen und beenden, und für die Sportlichen unter uns natürlich auch mit dem Fahrrad bewerkstelligen. 😉 . Im Folgenden beginne ich die Tour in Reinbek im Süden Stormarns, bereise den Kreis entgegen des Uhrzeigersinnes und ende in Ahrensburg; als Hamburger lässt sich die Tour auch wunderbar entgegengesetzt bestreiten. Wer aus Lübeck kommt, steigt idealer Weise im Norden in Reinfeld oder am Gut Trenthorst ein und endet je nach befahrener Richtung am jeweils anderen Ort.

Auch Tagesausflüge zu den einzelnen Orten sind natürlich möglich, und es gibt sicherlich noch so viel mehr Interessantes und Neues in Stormarn zu entdecken. 🙂

Reinbek

Die zweitgrößte Stadt Stormarns mit rund 27.000 Einwohnern liegt im südlichsten Zipfel des Kreises Stormarn und grenzt im Westen direkt an die Hansestadt Hamburg und im Süden und Osten an den benachbarten Kreis Herzogtum Lauenburg.

Schloss Reinbek

Seit dem 16. Jahrhundert befindet sich direkt an der zum Mühlenteich aufgestauten Bille das dreiflüglige Renaissance-Schloss Reinbek. Lange Zeit diente dieses herrschaftliche Gebäude dem dänischen König Herzog Adolf I. hauptsächlich als Gästehaus, später folgten Nutzungen als Witwenhaus, Hotel oder Sitz der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, bevor es 1972 vom Kreis Stormarn und der Stadt Reinbek zum wiederholten Male vor dem Abriss bewahrt und von 1977 bis 1987 umfassend saniert wurde. Um das Schloss herum befindet sich der frei zugängliche Schlosspark mit dem Mühlenteich. Alter Baumbestand lädt hier im Sommer zum Verweilen ein.

Schloss Reinbek

Heute beherbergt das Schloss ein Kultur- und Veranstaltungszentrum, in dem unter anderem das Schleswig-Holstein-Musikfestival Station macht. Eine Besichtigung ist mittwochs bis sonntags gegen Eintritt möglich, aufgrund der Nutzung als Veranstaltungszentrum lohnt dies ausser zu gelegentlichen Sonderausstellungen aber eher nicht. Gegenüber des Schlosses befindet sich das Museum Rade mit einer Dauerausstellung der Kunstsammlung von Rolf Italiaander.

Anfahrt:
Schloss Reinbek | Schlossstraße 5 | 21465 Reinbek
Parkplätze vor dem Schloss vorhanden (Parkscheibe max. 3 Stunden)
S-Bahn S21 Hamburg-Aumühle bis Reinbek, das Schloss liegt direkt am Bahnhof

Schönningstedter Mühle

Im Reinbeker Stadtteil Schönningstedt befindet sich die Schönningstedter Mühle. Seit 1886 wurde hier mit Hilfe einer Windmühle Korn gemahlen, lange bevor die Gemeinde Schönningstedt zusammen mit den Ortsteilen Neuschönningstedt, Ohe, Sachsenwaldau und Büchsenschinken im Jahre 1974 im Zuge einer Gebietsreform nach Reinbek eingemeindet wurde. Nachdem die Mühle 1993 durch ein Großfeuer komplett zerstört wurde, wurde an selber Stelle eine baugleiche Mühle errichtet. Heute befindet sich dort ein beliebtes Ausflugslokal und Restaurant.

Schönningstedter Mühle

Anfahrt:
Restaurant Zur Mühle | Mühlenweg 1 | 21465 Reinbek
Großer Parkplatz vorhanden
HVV-Bus 236 oder 436 ab S-Reinbek bis Schönningstedt, Ort

Grander Mühle

Auf dem Weg zwischen Reinbek und Trittau liegt die kleine Gemeinde Grande. Die Bille bildet hier den Grenzfluss zwischen den Landkreisen Stormarn und Herzogtum-Lauenburg, an dessen Südseite und damit bereits im lauenburgischen Kuddewörde sich die Grander Mühle befindet. Diese im Jahre 1345 erstmals urkundlich erwähnte Wassermühle gilt als die älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands und beherbergt seit Mitte des 19. Jahrhunderts zusätzlich einen Schankbetrieb. In einem Nebengebäude befindet sich heute zusätzlich noch ein Hotel.

Grander Mühle

Anfahrt:
Grander Mühle | Lauenburger Straße 1 | 22958 Kuddewörde
HVV-Bus 333 ab U-Steinfurther Allee bis Grande, Möllner Landstraße

Trittau

Die Kleinstadt Trittau mit knapp 9.000 Einwohnern liegt im südöstlichen Zipfel Stormarns am Rande der Hahnheide, einem bewaldeten Naturschutz- und Naherholungsgebiet.

Wassermühle

Das Flüsschen Bille wird hier ähnlich wie in Reinbek zu einem kleinen See, dem Mühlenteich, aufgestaut, an dem sich die historische Wassermühle aus dem Jahre 1701 befindet. Heute wird die Mühle ähnlich wie das Reinbeker Schloss als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt.

Wassermühle Trittau

Anfahrt:
Kulturzentrum Wassermühle Trittau | Am Mühlenteich 3 | 22946 Trittau
wenige Parkplätze direkt vor Ort, besser im Ortszentrum parken (fünf Minuten Fußweg)
HVV-Bus 333 ab U Steinfurther Allee oder HVV-Bus 369 ab Bahnhof Ahrensburg bis Trittau, Vorburg

Hahnheide

Die Hahnheide ist ein teilweise unter Naturschutz stehendes Waldstück östlich von Trittau an der Kreisgrenze zum Herzogtum Lauenburg. Hier befindet sich die höchste Erhebung im Kreis Stormarn, der Kleine Hahnheider Berg mit 100,1 Meter über dem Meeresspiegel. Kurioser Weise ist sein Namensbruder, der Große Hahnheider Berg, mit 99 Metern einen guten Meter kleiner. Er befindet sich auf der anderen Seite der historischen und unter Denkmalschutz stehenden Landstraße zwischen Trittau und Hohenfelde.

Hohenfelder Damm

Der Hohenfelder Damm wurde bereits im 18. Jahrhundert angelegt und besteht auf der einen Seite aus Kopfsteinpflaster und auf der anderen Seite aus einem unbefestigten Sommerweg.

Didimobil auf dem Hohenfelder Damm, rechts der Sommerweg

Auf halbem Weg zweigt eine ebenfalls unbefestigte Straße durch den Wald nach Hamfelde ab, wo sich am Ortseingang ein schattiger Parkplatz befindet. Von hier lohnt sich ein rund zwanzigminütiger Fußmarsch zum Langen Otto, einem 27 Meter hohen hölzernen Aussichtsturm auf dem Großen Hahnheider Berg (also dem Kleineren von beiden).

Wegweiser in der Hahnheide

Wegweiser in der Hahnheide

Aussichtsturm Langer Otto

Der Lange Otto hat seinem Namen von dem ehemaligen Trittauer Bürgermeister Otto Hergenhan, unter dessen Amtszeit 1974 der erste Aussichtsturm an dieser Stelle errichtet wurde und den Wert der Hahnheide als örtliches Naherholungsgebiet unterstreicht. Nachdem der Turm in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts baufällig wurde, konnte im Jahre 2001 der neue, 27 Meter hohe Aussichtsturm eröffnet werden.

"Langer Otto" - Aussichtsturm in der Hahnheide

“Langer Otto” – Aussichtsturm in der Hahnheide

Hat man einmal die nicht enden wollenden znünfunddrölfzig Stufen bis auf die oberste Plattform erklommen (davor sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht…), bietet sich dem schwindelfreien Betrachter ein herrlicher 360° Panoramablick, der bei entsprechenden Wetter- und Sichtbedingungen bis ins 40 Kilometer entfernte Hamburg reicht. Wer hat, sollte dringend ein Fernglas mitnehmen. Besonders beliebt und ausser an Wochenenden wohl noch ein echter Geheimtip: Von hier oben soll man einen der imposantesten Sonnenuntergänge im gesamten Kreis Stormarn beobachten können.

Aussichtsturm Hahnheide

Aussichtsturm Hahnheide

P.S.: Didi ist einfach raufgelaufen und nun ein wenig stolz auf sich, denn er leidet an panischer Höhenangst. Dass in diesem Moment keine anderen Menschen in der Nähe waren, erleichterte den Aufstieg über die schmalen Treppen ungemein. Wer also Probleme mit der Höhe hat, sollte einfach warten, bis man ganz alleine dort ist. Der Blick lohnt tatsächlich. 🙂

Anfahrt:
Waldparkplatz Hasenberg | Hasenberg 23 | 22929 Hamfelde in Holstein
keine regelmäßige ÖPNV-Anbindung

Grönwohld

Rund fünf Kilometer nördlich von Trittau liegt das beschauliche Örtchen Grönwohld mit gut 1.500 Einwohnern. Bekannt gemacht hat das Dorf die Fernsehserie Neues aus Büttenwarder des NDR. Der in der Serie vorkommende Gasthof Dorfkrug heißt in Wirklichkeit Unter den Linden und bietet auch ausserhalb der Drehzeiten das aus der Serie beliebte Getränk Lütt un Lütt an.

Gasthof Unter den Linden aka Dorfkrug

Gasthof Unter den Linden a.k.a. Dorfkrug

Anfahrt:
Gasthof Unter den Linden | Dorfstraße 23 | 22956 Grönwohld
HVV-Bus 364 ab Bahnhof Hamburg-Rahlstedt bis Grönwohld, Schule

Grönwohlder Brauerei

Weiterhin befindet sich in Grönwohld eine kleine, aber feine Privatbrauerei, die Grönwohlder Hausbrauerei. Versteckt hinter der einzigen Tankstelle im Ort wird dort hauptsächlich auf Bestellung vom vollmundigen Landbier über Bock und Dunkelbier bis hin zum klassischen Pils mit Hingabe und Leidenschaft Bier gebraut. Einen kleinen Kasten mitzunehmen wird man sicherlich nicht bereuen, eine Vorbestellung ist jedoch ratsam, da es ansonsten sein kann, dass bestimmte Sorten gerade ausverkauft sind.

Anfahrt:
Grönwohlder Hausbrauerei | Poststraße 21e | 22956 Grönwohld
HVV-Bus 364 ab Bahnhof Hamburg-Rahlstedt bis Grönwohld, Schule

Gut Trenthorst

Die Güter Trenthorst und Wulmenau gehören heute zur Gemeinde Westerau im Norden des Landkreises Stormarn und umfassen rund 590 Hektar, wovon gut 500 Hektar vom heutigen Eigentümer, dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau, landwirtschaftlich genutzt werden. Bereits 1555 wurden die ehemals getrennten Güter Wulmenau und Trenthorst durch Heirat der Eigentümerfamilien zu einem gemeinsamen Gut vereint.

Torhaus Gut Trenthorst

Das Gut Trenthorst existiert seit dem 14. Jahrhundert, 1529 wurde es durch den dänischen König Friedrich I. zu einem adligen Gut aufgestuft und fusionierte 1555 durch Heirat mit dem benachbarten Gut Wulmenau. Das heutige Ensemble mit Herrenhaus, Wirtschaftshaus und markantem Torhaus wurde ab 1914 im wilhelminischen Stil umgebaut und steht als Ensemble, aber auch jedes Gebäude für sich, unter Denkmalschutz.

Wasserturm Wulmenau

Ziemlich in der Mitte der beiden Güter an der Straße zwischen Ahrensfelde und Trenthorst befindet sich eine kleine Siedlung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet und als “Zentrale” bezeichnet wurde. Hier befanden sich neben einigen Wohnhäusern und Stallungen auch das Fortshaus, die alte Schule sowie ein markannter, 20 Meter hoher Wasserturm aus dem Jahre 1912. Dieser war bis 1972 in Betrieb, steht seit 1985 unter Denkmalschutz und wurde zwischen 2010 und 2012 komplett saniert. Heute befindet er sich wie die gesamte Zentrale in Privatbesitz und kann leider nicht besichtigt werden.

Wasserturm Wulmenau

Anfahrt:
Gut Trenthorst | Trenthorst 32 | 23847 Westerau-Trenthorst
Parkplätze am Gut vorhanden, am Wasserturm sehr eingeschränkte Parkmöglichkeiten
keine ÖPNV-Anbindung

Reinfeld

Die Karpfenstadt Reinfeld mit ihren knapp 10.000 Einwohnern liegt im Norden Stormarns, etwa 20 Kilometer südwestlich vom Lübecker Stadtzentrum entfernt. Der kleine Fluss Heilsau wird im Stadtzentrum von Reinfeld zum Herrenteich aufgestaut. Bekannt ist Reinfeld für seine vielen Karpfenteiche und daher insbesondere für Fischliebhaber kein wirklicher Geheimtip mehr.

Reinfeld mit Herrenteich und Uferplatz

Das sehenswerte Rathaus aus dem Jahre 1907 bildet den Beginn der Paul-von-Schoenaich-Straße, an der sich neben zahlreichen kleineren Geschäften auch die historische Matthias-Claudius-Kirche aus dem Jahr 1636 befindet. Die Glocken der Kirche stammen noch aus dem hölzernen Vorgängerbau aus den Jahren 1477 und 1561, welcher bei einem Dammbruch am Herrenteich zerstört wurde.

Rathaus Reinfeld

Rathaus Reinfeld

Matthias-Claudius-Kirche in der Paul-von-Schoenaich-Straße

Matthias-Claudius-Kirche in der Paul-von-Schoenaich-Straße

Anfahrt:
Parkplatz Karpfenplatz | Karpfenplatz 3 | 23858 Reinfeld
kostenloser Parkplatz und Wohnmobilstellplatz
Reinfeld hat einen Bahnhof an der Regionalexpress-Linie Hamburg-Lübeck

Bad Oldesloe

Die Kreisstadt Bad Oldesloe ist mit knapp 25.000 Einwohner die drittgrößte Stadt im Kreis nach Ahrensburg (33.500) und Reinbek (27.500) und die Hauptstadt des Kreises Stormarn. Die Innenstadt von Bad Oldesloe liegt auf einer Insel in der Trave und am Zusammenfluss von Beste und Trave.

Marktplatz, Bad Oldesloe

Marktplatz, Bad Oldesloe

Im 18. Jahrhundert gelangte Bad Oldesloe zu einem gewissen Reichtum, nachdem in der Besteniederung am Ortsrand salzhaltige Quellen entdeckt und eine Saline zur Salzgewinnung angelegt wurde. Hierdurch entwickelte sich ein bescheidenes Industrieaufkommen in der Stadt, und auch ein Kurbetrieb wurde 1813 ins Leben gerufen. Der Titel “Kurbad” wurde Bad Oldesloe jedoch erst im Jahre 1910 verliehen, nachdem der Salzförderbetrieb bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aus Rentabilitätsgründen eingestellt wurde und sich auch der Kurbetrieb bereits auf dem absteigenden Ast befand. Heute ist die Anerkennung als Heilbad längst erloschen, den Zusatz “Bad” trägt Oldesloe jedoch weiter.

Kornwassermühle Bad Oldesloe

Kornwassermühle Bad Oldesloe

Die Altstadt im Heiligengeist-Viertel

Bis ins Jahr 1865, als Bad Oldesloe an die Eisenbahnstrecke Hamburg-Lübeck angeschlossen wurde, verfügte Bad Oldesloe über einen eigenen Hafen an der Trave. Die Traveschiffahrt wurde jedoch mit dem Bau der Eisenbahn schlagartig eingestellt.

Brücke über die Trave, Altstadt Bad Oldesloe

Brücke über die Trave, Altstadt Bad Oldesloe

Im Jahre 1943 wurde der Kriegsumstände halber die Kreisstadt Stormarns vom damals noch eigenständigen Hamburg-Wandsbek provisorisch nach Bad Oldesloe verlegt. 1945 wurde Bad Oldesloe durch einen Angriff der britischen Royel Air Force schwer in Mitleidenschaft gezogen; über 100 Gebäude wurden zerstört und mehr als 700 Menschen verloren bei dem Angriff ihr Leben.

Heiligengeist-Viertel Bad Oldesloe

Heiligengeist-Viertel Bad Oldesloe

Erst 1949 wurde aus dem Provisorium die permanente Hauptstadt des Kreises. Leider wurden in den 1960er Jahren wie in vielen anderen Städten Deutschlands viele alte Gebäude abgerissen und durch schmucklose Neubauten ersetzt, so auch in Bad Oldesloe. Zwar sind mit den heutigen Fußgängerzonen entlang der einstigen Hauptstraßen Besttorstraße, Mühlenstraße und Lange Straße bedeutende und belebte Einkaufsstraßen enstanden, ein richtiges Altstadtflair kommt hingegen nur noch in dem kleinen, aber sehenswerten Heiligengeist-Viertel am Zusammenfluss von Trave und Beste zur Geltung.

Altstadt bad Oldesloe

Altstadt bad Oldesloe

Das Dehnungs-e

Das “e” am Ende des Ortsnamens ist übrigens ein so genanntes Dehnungs-e und sorgt dafür, dass am Ende des Ortsnamens ein langes “o” gesprochen wird: Bad Oldeslo(h). Dem zugrundeliegenden Dialekt soll auch die Ortschaft Buddenbroek, Namensgeber für Thomas Manns Roman Die Buddenbrooks, seinen Namen verdanken. Damit niemand aus Unwissenheit den Namen Buddenbrooks falsch ausspricht, soll sich Mann dazu entschieden haben, den Namen abgewandelt mit Doppel-o zu schreiben.

Hude, Bad Oldesloe

Hude, Bad Oldesloe

Anfahrt:
Parkplatz Exer (max. 3 Stunden mit Parkscheibe) | Am Bürgerpark | 23843 Bad Oldesloe
Der Bahnhof Bad Oldesloe wird von den meisten Regionalzügen zwischen Hamburg und Lübeck bedient

Brenner Moor

Das Brenner Moor nordwestlich von Bad Oldesloe ist das größte Salzmoor im Binnenland Schleswig-Holsteins und steht seit 1978 unter Naturschutz. Die Besonderheit des 24 Hektar großen Brenner Moors sind mehrere salzhaltige Solequellen, die eine Salzkonzentration ähnlich der Nordsee aufweisen und daher hier im Binnenland Flora und Fauna gedeihen lassen, die sonst nur in Meeresnähe heimisch sind.

Naturschutzgebiet Brenner Moor

Naturschutzgebiet Brenner Moor

Das in der Traveniederung gelegene Brenner Moor ist über Holzbohlenwege erschlossen und das ganze Jahr über begehbar. Mit etwas Glück kann man von hier Eisvögel und Graureiher beobachten.

Gut ausgebaute Wege auf Holzbohlen führen durch das Brenner Moor

Gut ausgebaute Wege auf Holzbohlen führen durch das Brenner Moor

Dem interessierten Besucher stehen insgesamt zehn interaktive Tafeln zur Verfügung, an denen man sich per Smartphone und angebrachtem QR-Code nützliche Informationen über Flora und Fauna und allerhand Wissenswertes über das Moorgebiet auf das Smartphone holen kann.

Nützliche Informationen gibt es an ausgewählten Stellen per QR-Code aufs Smartphone

Nützliche Informationen gibt es an ausgewählten Stellen per QR-Code aufs Smartphone

Im Norden und Osten wird das Brenner Moor durch die Trave begrenzt. Das natürliche Fließgewässer lockt bei schönem Wetter viele Kanufahrer an, und eine inoffizielle Badestelle an der Grünen Brücke wird gerne von Kindern zum Planschen im flachen Wasser genutzt.

Im Norden und Osten begrenzt die Trave das Brenner Moor

Im Norden und Osten begrenzt die Trave das Brenner Moor

Grüne Brücke im Brenner Moor

Grüne Brücke im Brenner Moor

Ein idealer Ort zum Kanufahren: Die Trave am Brennermoor

Ein idealer Ort zum Kanufahren: Die Trave am Brenner Moor

Gut Altfresenburg

Parken kann man wunderbar am Gut Altfresenburg auf der Nordseite der Trave. Von hier führt ein schöner, einen Kilometer langer Wanderweg in gut zehn Minuten zur Grünen Brücke über die Trave und dem eigentlichen Brenner Moor. Das Gut Altfresenburg selbst besteht aus einem privat bewohnten Herrenhaus und mehreren Wirtschaftsgebäuden, darunter eines der in Stormarn noch zahlreich vertretenen Torhäuser.

Torhaus Gut Altfresenburg

Anfahrt:
Gut Altfresenburg | Altfresenburg | 23843 Bad Oldesloe
Parkmöglichkeiten vorhanden
keine ÖPNV-Anbindung

Kloster Nütschau

Ganz in der Nähe des Brenner Moores und nur sechs Kilometer westlich von Bad Oldesloe (drei Kilometer von Altfresenburg) befindet sich das Benediktiner-Kloster Nütschau. Der 1577 als Wasserschloss errichtete Renaissancebau gilt als eines der ältesten Herrenhäuser des Kreises Stormarn und gelangte erst 1951 in den Besitz der Mönche von Gerleve und wird seitdem als Priorat St. Ansgar nach der Regel des heiligen Benedikts geführt.

Kloster Nütschau

Heute fungiert Kloster Nütschau unter anderem als Bildungsstätte St. Ansgar und bietet auch interessierten Gläubigen Rückzugsorte auf Zeit.

Anfahrt:
Kloster Nütschau | Schloßstraße 28 | Travenbrück | 23843 Bad Oldesloe
Ein kostenloser Parkplatz befindet sich direkt gegenüber des Klosters
keine ÖPNV-Anbindung vorhanden

Grabau

Die Gemeinde Grabau befindet sich im Westen Stormarns zwischen Jersbek und der Kreisstadt Bad Oldesloe. Bekannt ist sie für das UN-zertifizierte Naturerlebnis Grabau, ein waldpädagogisches Konzept für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Ein Waldlehrpfad, Waldspielplatz und Niedrigseilgarten sind das gesamte Jahr über auch ohne Anmeldung frei zugänglich.

Bahn-Radweg

Von 1907 bis 1973 besaß Grabau einen Bahnanschluss an der inzwischen stillgelegten und abgebauten Eisenbahnstrecke von Bad Oldesloe nach Ulzburg. Heute verläuft entlang dieser ehemaligen Bahntrasse einer von drei Bahn-Radwanderwegen im Kreis Stormarn, der vom segebergischen Henstedt-Ulzburg über die Kreisstadt Bad Oldesloe bis nach Trittau führt und sich reger Beliebtheit erfreut.

Bahnradweg über die Norderbeste bei Grabau

Gut Grabau

In der Dorfmitte befindet sich das alte Gut Grabau. Das in Privateigentum befindliche herrschaftliche Gehöft war während des Zweiten Weltkrieges ein Heereszuchtgestüt und versetzt einen mit seinen imposanten Backsteinbauten auch heute noch weit ins letzte Jahrhundert zurück.

Gut Grabau

Gut Grabau

Herrenhaus

Am Rande von Grabau an der L226 befindet sich das Herrenhaus Grabau. Der markante, unter Denkmalschutz stehende Bau aus dem Jahre 1905 befindet sich in Privatbesitz und ist daher nicht zugänglich. Aufgrund seines exotischen Äusseren wird das Grabauer Herrenhaus des Öfteren als Spukschloss bezeichnet und diente bereits mehrfach als Filmkulisse.

Herrenhaus Grabau

Herrenhaus Grabau

Anfahrt:
23845 Grabau
Parkmöglichkeiten in den Wohnstrassen des Ortes vorhanden
HVV-Bus 7141 oder 8140 ab Bad Oldesloe, keine Bedienung am Wochenende

Jersbek

Gut Jersbek und Barockgarten

Im Westen Stormarns liegt die kleine Gemeinde Jersbek, deren Hauptort sich hauptsächlich entlang einer Lindenallee erstreckt, die 1730 von Benedikt von Ahlefeld vierreihig angelegt wurde. Die heute schlicht Allee genannte Straße führt zum derzeit privat bewohnten Gut Jersbek aus dem Jahre 1620 mit dem sehenswerten Torhaus. Zum Gut Jersbek gehört ein für die Öffentlichkeit frei zugänglicher, aber leider etwas ungepflegt erscheindener Barockgarten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, der damals zu den beeindruckendsten Barockparks in Schleswig-Holstein zählte.

Torhaus Gut Jersbek

Blick in den etwas tristen Jersbeker Barockgarten

Eiskeller Jersbek

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich der Jersbeker Eiskeller. Der vermutlich aus dem Jahr 1736 stammende Bau diente bis ins 20. Jahrhundert der Kühlung von Lebensmitteln im Sommer, wofür im Winter große Eisblöcke aus dem nahegelegenen See in einen trichterförmigen, sieben Meter tiefen Keller aus großen Findlingen gebracht wurden. An diesen in einem Erdwall versteckten Keller grenzt nördlich ein etwa 20m² großer Lagerraum an, der doppelt gemauert ist und mit seinem tiefen Reetdach und einem Ring aus Linden- und Kastanienbäumen zusätzlichen Schutz vor Sonneneinstrahlung und Wärme bietet.

Eiskeller Jersbek

Der Eiskeller steht seit 1986 unter Denkmalschutz und kann nach telefonischer Voranmeldung besichtigt werden.

Anfahrt:
Gut Jersbek | Allee | 22941 Jersbek
Kostenloser Parkplatz gegenüber vom Landgasthof zum Fasanengarten
keine regelmäßige ÖPNV-Anbindung

Ahrensburg

Die größte Stadt im Kreis mit rund 33.500 Einwohnern, Ahrensburg, ist eine geschäftige Kleinstadt nordöstlich von Hamburg. Trotz der guten verkehrlichen Erschließung über die Autobahn A1, der Eisenbahnstrecke Hamburg-Lübeck sowie einer U-Bahnlinie der Hamburger Hochbahn insbesondere Richtung Hamburg hat sich im Gegensatz zu Reinbek hier ein geschäftiger Innenstadtkern mit einem Warenhaus und mehreren verkehrsberuhigten Einkaufstraßen sternförmig um den zentralen Platz, das Rondell, etablieren können.

Schloss Ahrensburg

Bekannt ist Ahrensburg jedoch hauptsächlich für sein Wasserschloss, welches Peter Rantzau, der Bruder des in Diensten des Dänischen Königs stehenden Feldherrn Daniel Rantzau, im Jahre 1585 als Herrenhaus errichten ließ. Zwischen 1759 und 1932 gehörte das Anwesen über sieben Generationen der Familie Schimmelmann, bis es ab 1932 leer stand. Kaufinteressenten gab es wenige, sodass auf Initiative eines Ahrensburger Bürgers ab 1935 der Museumsbetrieb im Schloss Ahrensburg aufgenommen werden konnte.

Schloss Ahrensburg

Heute ist das Schloss täglich ausser montags und freitags zu besichtigen, der Eintrittspreis beträgt 8,-€ (Stand: 02.06.2020)

Ahrensburger Schlossmühle

Auf der Nordseite des Schlossgrabens befindet sich die historische Ahrensburger Schlossmühle. Dieses Gebäudeensemble an der Mühlenstraße befindet sich heute in Privatbesitz und kann daher nur von aussen besichtigt werden, gibt aber dennoch ein romantisches Bild ab, wenn man das Schloss einmal umrundet.

Ahrensburger Schlossmühle

Schlosskirche und Gottesbuden

Auf der Südseite des Schlosses auf der gegenüberliegenden Seite der Lübecker Straße befindet sich die historische Schlosskirche und die Gottesbuden. Die Kirche aus dem Jahr 1595 ist eng mit der Geschichte des Schlosses verknüpft und beherbergt eine restaurierte Orgel aus dem Jahre 1640.

Schlosskirche Ahrensburg

Neben der Kirche befinden sich kleine, eingeschossige Reihenhäuser, die so genannten Gottesbuden. Diese insgesamt 24 Wohnungen mit einer Größe von nur 16m² ließ der damalige Gutsbesitzer Peter Rantzau für die Alten und Bedürftigen in den Jahren 1594 und 1596 errichten, wobei die Bewohner in den nördlich der Kirche gelegenen Wohnungen mietfrei wohnen durften. Auch heute noch dienen die Wohnungen Bedürftigen als mietfreie Unterkünfte durch die Kirche.

Anfahrt:
Schloss Ahrensburg | Lübecker Straße 1 | 22926 Ahrensburg
Parkplätze mit Parkscheibe 2 Stunden vorhanden
Regionalbahn bis Ahrensburg, von dort 20 Minuten Fußweg oder HVV-Bus 476, 569 oder 8110 bis Ahrensburg, Schloss

 

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