England & Wales 2017 – Teil 3: Wales

Auf nach Wales

Mittwoch, 12.04.2017

Die Nacht war erneut ungewöhnlich kalt, der Heizlüfter lief die ganze Nacht. Wir stehen um halb acht auf, schnell duschen und die Autos startklar machen. Gefrühstückt wird in Chester, unserem ersten Etappenziel, bevor es anschließend nach Wales gehen soll. Chester ist eine der besterhaltenen britischen Städte aus dem 16. Jahrhundert, mit Wurzeln bis in die römische Vergangenheit. 2015 war ich am Abend bereits kurz dort, kennen tue ich die sehenswerte Stadt bereits seit einem Schüleraustausch im Jahre 1994.

Typische englische Hinterhöfe: Chester

Wir parken unsere Bullis auf einem Großparkplatz am Südrand der Stadt und laufen über die gut erhaltene Stadtmauer in die Innenstadt mit den alten Geschäftshäusern und den „Rows“, Einkaufspassagen in Arkardengängen im ersten Stockwerk, welche bereits ab dem 16. Jahrhundert Passanten vor Wetter und Matsch auf der Straße schützen sollten.

Eastgate Street, Chester. Blick von der Uhrenbrücke.

Eastgate Street, Blick Richtung Uhrenbrücke.

Nach einem ausgiebigen Frühstück besichtigen wir noch die Kathedrale, bevor wir uns auf den Weg Richtung Wales machen.

Über den Horshoe-Pass geht es auch dieses Mal tief hinein in das ländliche Nordwales. Wir entdecken unterwegs eine alte Kirchenruine, das Abaty Glyn y Groes (engl.: Valle Crucis Abbey); 2015 war das noch nicht dort, oder es hat keiner von uns bemerkt.

Ruine des Abaty Glyn y Groes

Unser erstes Ziel in Wales soll auch auf dieser Tour der höchste Wasserfall des Landes, der Pistyll Rhaeadr, sein. Kurz hinter der Klosterruine weckt ein Hinweisschild auf den Horseshoe Falls  unsere Aufmerksamkeit. Wir vermuten einen weiteren interessanten Wasserfall, werden jedoch von einem hufeisenförmig angelegten, künstlichen Mini-Wasserfall begrüßt. Egal, wir haben ja Zeit.

Horseshoe Falls, künstlich angelegter Wasserfall

Der kürzeste Weg zum eigentlichen Wasserfall führt uns querfeldein über Waldwege und einspurige Straßen, einmal sogar quer über einen Bauernhof. Trotz bescheidenen Wetters erleben wir Wales von seiner schönsten Seite, kaum Verkehr und Schafe, so weit das Auge reicht.

Straße quer über einen Bauernhof

Typisch Wales: Schafe

Schafe, so weit das Auge reicht

Über kleinste Straßen…

… und durch abgeschiedene Dörfer.

Gegen 15 Uhr erreichen wir den Pistyll Rhaeadr. Es nieselt noch immer leicht, und so fällt die Besichtigung des Wasserfalles eher kurz aus. Dafür kehren wir in der kleinen Gastwirtschaft nebenan ein und stärken uns bei einem leckeren Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee, bevor es – wie vor zwei Jahren – zum Campingplatz „Cefn Cae“ im kleinen Weiler Rowen, unweit von Conwy, gehen soll.

Pistyll Rhaedr, höchster Wasserfall von Wales

Auf dem Weg über die Hochebenen des Snowdonia Nationalparks klart das Wetter wieder auf und die Sonne lässt sich blicken. Die Straße haben wir auch dieses Mal fast ganz für uns alleine, und so führt uns die Tour ganz gemütlich über das karge Hochland des Nationalparks.

Der Afon Tryweryn

Das karge Hochland von Snowdonia

Schafe überall. 😉

Am Campingplatz dann die Überraschung: Das Didimobil wird wiedererkannt. „Du warst doch vor zwei Jahren schon einmal hier. Mit zwei netten Jungs, wenn ich mich richtig erinnere?

Wir müssen einen positiven bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Wenn es sich irgendwann ergeben sollte, muss ich unbedingt mit dem „Sohn“ noch einmal hierher. 😉

Unsere beiden Busse auf dem Cefn Cae Campingplatz in Rowen

Zum Abendessen gehen wir in den örtlichen Pub. Das Essen ist vorzüglich und das frisch gezapfte Ale gibt uns die nötige Bettschwere für die Nacht.

Aufbruch in unbekannte Gefilde

Donnerstag, 13.04.2017

Das Tolle an Bulli-Touren ist, dass man oftmals nicht unbedingt weiß, wohin es einen im Laufe des Tages verschlägt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Didimobil mit auf offener Herdflamme geröstetem Toastbrot geht es heute zunächst nach Conwy. Ein Spaziergang zum Hafen und zurück über die gut erhaltene Stadtmauer begeistert die Mitreisenden genauso wie die Jugend vor zwei Jahren (siehe https://www.didisworld.com/2015/04/08/england-wales-2015-teil-5/).

Conwy

Conwy Castle tarnt sich vor dunklen Wolken

Immer wieder schön: Blick über Conwy von der alten Stadtmauer

Ähnlich wie vor zwei Jahren geht die Fahrt weiter nach Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch, dem Ort, der aufgrund seines Namens auf keiner Wales-Reise fehlen darf. Im örtlichen Touristenshop wird fleißig eingekauft, bevor es dann gilt, neue Ecken von Wales zu entdecken.

Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch

Im Westen sieht es nach blauem Himmel aus. Bis nach Holyhead an der Westspitze von Wales sind es nur 20 Meilen, und in South Stack soll es einen sehenswerten Leuchtturm geben. Also fahren wir weiter hinauf auf die Insel Anglesey, ganz bis zum westlichsten Zipfel am South Stack. Sonnenschein, Steilküste und blaues Meer erwarten uns dort. So muss Urlaub sein.

South Stack Lighthouse

Steilküste am South Stack. Im Hintergrund die Berge von Snowdonia

Zum Leuchtturm wandern wir nicht, 130 Stufen oder mehr hinunter, nur um sie anschließend wieder hinaufzulaufen, schrecken 75% aller Mitreisenden ab,  und wenn ich es mir recht überlege: Mich auch ein wenig. 😉

So machen wir uns nach einer guten halben Stunde wieder auf den Weg gen Festland. Wir wollen entlang der Küste nach Süden fahren, unser Endziel für den heutigen Tag haben wir uns noch nicht ausgesucht.

Kleiner Strand an der Irischen See, Treaddur Bay

Wir fahren die Hauptstraße in Richtung Porthmadog entlang. Diese entfernt sich zwar rasch von der Küste, kürzt dafür aber etliche Kilometer Küstenlinie ab, um bei Porthmadog wieder das Meer zu erreichen.

Porthmadog ist ebenfalls Endpunkt der Ffestiniog Railway, einer Schmalspurbahn, welche wir vor zwei Jahren bereits per Zufall in Tan-Y-Bwlch getroffen hatten. Auch heute haben wir Glück und treffen auf einen der sehr schmalspurigen Dampfzüge beim Verlassen von Porthmadog.

Ffestiniog Railway bei Porthmadog

Hinter Porthmadog liegt der künstliche, im italienischen Stil angelegte Ort Portmeirion. 12,- GBP (15,-€) Eintritt für einen kurzen Stadtbummel sind uns dann aber doch zuviel des Guten, und so fahren wir weiter entlang der Küste nach Süden. An einem winzigen Spar-Laden halten wir unterwegs an, uns ist mal wieder nach Grillen. Die Auswahl ist nicht riesig, dennoch findet jeder etwas zu Essen.

Parallel zur Straße verläuft eine Eisenbahnstrecke, die bei Barmouth mit Hilfe eines 699 Meter langen Holzviaduktes aus dem Jahre 1867 den Fluss Mawddach überquert. Die Straße macht einen 30 Kilometer langen Umweg um die Flussmündung herum. Einzig eine alte, mautpflichtige Holzbrücke bei Penmaenpool aus dem Jahre 1879 ermöglicht eine Abkürzung von etwa 15 Kilometern. Die Maut ist nicht hoch, und so überqueren wir den Fluss bei diesem geschichtsträchtigen Baudenkmal.

Straße entlang des Mawddach

Eisenbahnbrücke bei Barmouth

Der Fluss Mawddach bei Ebbe

Historische Mautbrücke bei Penmaenpool

Inzwischen geht es auf 18 Uhr zu, und wir sind auf der Suche nach einem Campingplatz. Die meisten Plätze an der Küste haben ausschließlich riesige Mietwohnwagen, die fast schon an die Größe eines Ferienhauses erinnern, und nehmen keine „Tourer“ wie uns auf. Oder sehen sehr teuer aus.

Irische See

Abendlicher Blick in die andere Richtung

Bei Rhoslefain entdecken wir einen kleinen Campingplatz direkt am Meer. Leider gibt es dort keine Stromversorgung, und da es nachts doch noch empfindlich kalt wird entscheiden wir uns dazu, lieber weiterzufahren. Wir bekommen von den herzlichen Betreibern den Tip, ein paar Kilometer landeinwärts einen Campingplatz anzusteuern. Wir finden den falschen Platz, bekommen aber dennoch den letzten großen Stellplatz, auf dem wir mit beiden Fahrzeugen über Nacht stehen dürfen – und Strom gibt es auch.

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