England & Wales 2017 – Teil 2: Nottingham & Peak District

Dedham Vale AONB

Freitag, 07.04.2017

Die erste Nacht auf der Insel war verdammt kalt. Drei Grad zeigte das Thermometer in der sternklaren Nacht, ohne Stromanschluss funktionierte der Heizlüfter natürlich auch nicht, und eine warme Winterdecke gehört nicht zur Standardausrüstung des Didimobils. Die Uhr zeigt halb acht, als wir durchgefroren aufstehen, das wäre halb neun nach unserer Zeit. Das Wetter zeigt sich dafür von seiner schönsten Seite: Sonne pur und ein wolkenloser Himmel.

Morgenidylle in der Nähe von Harwich

Wagenburg auf dem Bauernhof

Es scheint ein schöner Tag zu werden

Oder sind wir doch noch in Holland?

Gegen Viertel vor neun machen wir uns auf den Weg Richtung Nottingham. Wir haben dieses Mal viel Zeit, durch die Fährfahrt nach Harwich befinden wir uns bereits nördlich von London. Vier Stunden sollten reichen, wir wollen gegen 15 Uhr am gewohnten Campingplatz ankommen. So nehmen wir schon jetzt die kleinen Nebenstraßen durch das Dedham Vale AONB (Area Of Outstanding Beauty, zu deutsch “Gebiet von außerordentlicher Schönheit”) und kommen per Zufall an der Flatford Mill, einer alten Wassermühle am Stour, vorbei. Idyllisch am kleinen Fluss Stour gelegen erinnert die Gegend ein wenig an den Spreewald – oder zumindest an das, was ich mir darunter vorstelle. Nur ohne großen Menschenauflauf.

Bridge Cottage, Flatford Mill

Eine alte Schleuse ermöglicht es sogenannten “Narrowboats”, sehr schmalen Kähnen für die britische Kanalschiffahrt, die Mühle zu umfahren.

Narroboat-Schleuse

Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Eine gute halbe Stunde schlendern wir fast alleine durch diesen vergessenen Flecken Land, bevor wir die Weiterreise Richtung Nottingham antreten.

Bridge Cottage mit der namensgebenden Brücke

Inzwischen ist es merklich wärmer geworden, die Sonne leistet ganze Arbeit. Wir frühstücken unseren mitgebrachten Kuchen und machen uns auf den Weg Richtung Cambridge auf der Suche nach der Autobahn gen Norden. Ganz ohne Landkarte findet Didi von dort inzwischen den Weg nach Nottingham: Von der A1(M) hinter Stamford auf die A606 über Melton Mowbray direkt nach Nottingham. Kurz vorher rechts abbiegen und den Hinweisschildern nach Cotgrave folgen, dort befindet sich dann der altbewährte Campingplatz Thornton’s Holt.

Mit besten Grüßen aus Hamburg: Mexikaner (Spicey Tomato) ♥

Der Campingplatz ist dieses Mal sehr gut gefüllt, wir bekommen drei Stellplätze etwas weiter weg vom Sanitärgebäude zugewiesen. Gute zwei Stunden haben wir jetzt Zeit, den Sommer im April zu genießen und den Mexikaner anzurühren. Um 19 Uhr sind wir mit einigen Engländern zum Essen in den Gewölben der Burgkatakomben verabredet, bevor es abends dann wie gewohnt zur großen Hockeyparty und damit dem Beginn des Playoff-Wochenendes geht.

EIHL Playoff-Wochenende Nottingham

Samstag, 08.04.2017 – Sonntag, 09.04.2017

Am Wochenende findet die alljährliche Eishockey-Playoff-Party in Nottingham statt. Wir treffen viele Bekannte und Freunde aus Nottingham und ganz England, auch insgesamt 18 Hamburger sind dabei. Der “Sohn” kam bereits am Freitag mit dem Flieger, und so können wir zumindest das für uns wichtigste Eishockeyevent des Jahres gemeinsam feiern. 🙂

Hockey-Party in Nottingham

Nottingham

Montag, 10.04.2017

Am Morgen wollen wir uns mit dem “Sohn” und seinem englischen Kumpel in aller Herrgottsfrühe (nach so einem Wochenende ist alles vor 12 Uhr definitiv zu früh… 😉 ) zu einem stilechten englischen Frühstück treffen. Mit dem Auto sind es etwa zwanzig Minuten bis zum ausgewählten Restaurant, unser Taxifahrer benötigt in etwa das Doppelte an Zeit, sodass wir schon kurz vor Ankunft als verschollen gelten.

Nach dem Essen verabschieden wir uns, die beiden Jungs wollen noch eine Runde schlafen, bevor Junior am Abend wieder nach Hamburg fliegt, und wir machen uns auf den Weg in die Stadt. Obwohl der Taxifahrer uns anbot, ihn anzurufen, wenn wir wieder los wollen, bevorzugen wir den Doppeldeckerbus. Der ist zwar nicht unbedingt günstiger, aber gefühlt wesentlich schneller. 😉

Robin Hood darf natürlich in Nottingham nicht fehlen

Vorbei an Robin Hood und der Burg führt uns der Stadtbummel durch die Innenstadt zum Pitchers and Piano, einem sehr stilvollen Pub in einer ausgedienten Kirche. Von Schönheit ist Nottingham nicht wirklich übersäht, dennoch finden sich rund um das City Council recht schöne großstädtische Ecken.

Nottingham City Council

Taxis so weit das Auge reicht

Innenstadt von Nottingham

Peak District National Park

Dienstag, 11.04.2017

Heute beginnt eine Art “Revival Tour”. Bereits vor zwei Jahren war ich mit Josha (dem “Sohn” und gleichzeitig liebsten und treuesten Reisebegleiter 🙂 ) und Lukas nach den Playoffs durch den Peak District nach Chester und weiter nach Wales gereist (siehe hier: https://www.didisworld.com/2015/04/06/england-wales-2015-teil-3/), eine Strecke, die landschaftlich unglaublich reizvoll und vielfältig ist. Für den Feuerwehrmann und seine Frau ist England Neuland, und meine Mitreisende war letztes Jahr lediglich bis an den Rand des Peak District gekommen und war begeistert.

Matlock Bath, Brücke über den Derwent.

Als erstes führt uns unsere Tagesetappe westwärts aus Nottingham hinaus in Richtung Matlock. Im Ortsteil Bath finden wir zwei Parkplätze und machen einen kurzen Bummel entlang der Hauptstraße, stellen aber schnell fest, dass es bis zum eigentlichen Ort Matlock noch rund drei Kilometer sind, sodass wir nach kurzer Zeit die Fahrzeuge wieder besteigen und am Bahnhof von Matlock genügend Platz zum Abstellen beider Busse finden.

Matlock Bath

Bahnhof von Matlock

Die knapp 10.000 Einwohner zählende Stadt Matlock bildet das östliche Tor zum Peak National Park. Wir unternehmen einen kleinen Stadtbummel entlang der Hauptstraße und durch den kleinen Stadtpark und stöbern in einigen der zahlreichen Antiquitätenläden. Vor zwei Jahren war ich schon einmal hier – allerdings nur mit dem Auto im kompletten Verkehrsstau stehend. Heute ist kein Feiertag wie damals, und so hält sich der Touristenstrom in einem überschaubaren Rahmen.

Matlock

Tuktuk-Parkplatz?

Meine Mitreisenden sind bereits jetzt begeistert, und so wird der nächste Stop wie bereits vor zwei Jahren erneut Bakewell inmitten des Peak District sein. Wir haben wieder Glück, dass heute kein Feiertag in England ist, und so können wir den Bummel durch diese urige historische Stadt ohne übermäßigen Touristenauflauf genießen.

Typische graue Sandsteinarchitektur in Bakewell

Hauptstraße ohne Touristenmassen: Bakewell

Wir entdecken in einem Hinterhof ein kleines österreichisches Café. Hier gibt es einen “original Tiroler Apfelstrudel” mit Eis und Sahne. Sehr lecker, obwohl irgendwie die äußere Lage Blätterteig fehlt. 😉

Fast wie in den Alpen. 😉

Wer hat meinen Baum verknotet? :O

Nach der kleinen Stärkung machen wir uns nach einer guten Stunde wieder auf den Weg, weiter hinein in den Peak District. Wir kommen erneut am Monsal Trail vorbei, einer alten Bahnstrecke quer durch den Peak District, der zu einem Fuß- und Radweg umgebaut wurde. Irgendwann möchte ich dort einmal mit einem Fahrrad langfahren.

Monsal Dale

Über kleinste Nebenstraßen geht unsere Fahrt weiter, vorbei an den typisch englischen kleinen Weiden und Feldern, abgegrenzt durch uralte Steinmauern. Die Tierwelt ist im Regelfall recht eintönig: Schafe, Schafe oder Schafe. Doch halt, was ist das? Da stehen doch plötzlich original britische Weitspucklamas auf einer Weide an der Straße! 🙂

Typisch Britisch: Das Lama.

Wie auch im Jahre 2015 quälen wir uns den Winnats Pass hinauf, Zeit für eine Besichtigung der bekannten Höhlen ist auch dieses Mal nicht vorhanden.

Castleton, Marquet Square

Winnats Pass

Inzwischen ist es bereits nach 17 Uhr, das Wetter immer noch perfekt zum Grillen. Wir kommen zur Abwechslung an einer Weide voller Kühe vorbei, beschließen aber, lieber einen Supermarkt anzusteuern zwecks Grillgut. An der Kasse treffen wir den Sohn des Nottinghamer Taxifahrers – jedenfalls was die Kassiergeschwindigkeit anbelangt. Eine gute Stunde später finden wir kurz vor Chester auf der Fishpool Farm einen kleinen, genütlichen Campingplatz.

Steaks in Rohform

Steaks zum Abendbrot

Mit Einbruch der Dunkelheit wird es empfindlich kalt, und so verbringen wir den  restlichen Abend bei einem leckeren Cider im Didimobil.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.