Rund um Deutschland 2015 – Teil 7 (A) (I) (CH) Gardasee & Anfo Ridge Road

Genitalien!

Mittwoch, 12.08.2015

An dieser Stelle ist klar, dass die Wortspielerei mit den “Genitalien” kommt. Für alle, die es nicht kennen: Wir fahren heute gen Italien. 😉

Der Brennerpass ist nicht weit vom Stubaital, und so überqueren wir nach etwa einer Stunde Fahrt die Grenze nach Italien. Der Brenner lässt sich wunderbar fahren, wenig Verkehr, denn die meisten Autofahrer nutzen die mautpflichtige Autobahn.

Etwa 20 Kilometer südlich des Brenners zweigt die Strada Statale 44, besser  bekannt als Jaufenpass, von der Brennerstraße ab. Das Didimobil meistert auch diesen Pass langsam, aber mit Bravour, sodass wir zur Mittagssonne die angenehme Kühle auf dem 2.094m hohen Jaufenpass genießen können.

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Am Jaufenpass

Von der Passhöhe aus hat man einen wunderbaren Blick ins Passeiertal. Von einer früheren Reise kannte ich eine tolle Pizzeria in St. Leonhard unten im Tal. Da wir bereits großen Hunger verspüren, machen wir uns über die schmale Bergstraße auf den Weg ins Tal.

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Jaufenpass; Abfahrt Richtung St.Leonhard

Beim Brückenwirt herrscht bereits Hochbetrieb, wir können zum Glück noch ein Plätzchen im Schatten ergattern, denn hier unten herrschen bereits wieder weit über 30°C. Von den super leckeren Standardpizzen können dort locker zwei Personen satt werden, dennoch vertilgen wir jeder eine eigene Pizza. Wer weiß, wann es wieder etwas gibt?

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Mittagessen beim “Brückenwirt”

Inzwischen ist es kurz vor zwei Uhr, und wir wollen noch knapp 200km weiter nach Süden an den Gardasee. Ohne Autobahn, versteht sich, denn die kostet auch in Italien Geld. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis wir selbst in Italien auf Orte stoßen würden, deren Namensgeber ganz sicher zu viele verbotene Kräuter geraucht hatte:

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Ort am Gampenpass in der Nähe von Meran

Nach einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt durch Meran (die gesamte Stadt scheint aus Einbahnstraßen zu bestehen und den Wegweiser noch nicht erfunden zu haben…) und dem Überqueren zweier Gebirgspässe erreichen wir endlich das Ziel aller Deutschen: Den Lago di Garda. Am Westufer entlang schlängelt sich die berüchtigte Gardesana Occidentale, eine der Traumstraßen Europas und u.a. Drehort für den James Bond-Film “Ein Quantum Trost”. Leider ist die Straße dem heutigen Verkehr kaum noch gewachsen, und aufgrund der Enge, der vielen Kurven und Tunnel ist das Anhalten kaum möglich.

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Gardasena Occidentale

Im Internet hatte ich bereits von einer kleinen Bergstraße entlang der Brasa-Schlucht gelesen. Diese sollte hinter einem Tunnel fast ohne Beschilderung von der Küstenstraße abbiegen.

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Typischer Kirchturm am Gardasee

Auf Anhieb finden wir den Abzweig, und die Straße steigt sofort steil an, immer parallel zur Küste. An der ersten Haarnadelkurve bietet sich ein fantastischer Ausblick über den Gardasee und auf den Ort Campione del Garda.

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Toller Ausblick auf den See

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Campione del Garda

Weiter verläuft die Straße spektakulär am Steilhang entlang, durch kleine Tunnel und später durch eine die enge – nein, sehr enge – Brasa-Schlucht.

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In der Brasa-Schlucht

Leider gibt es keine Höhenangaben an der Straße, sodass ich mir nicht wirklich sicher bin, ob wir mit unseren 2,70m Höhe durch die niedrigen Tunnel passen. Zum Glück passt aber alles und wir kommen ohne Kratzer oben an.

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Niedriger Tunnel

Da der Ort Pieve am oberen Ende der Straße keinen Campingplatz zu bieten hat, fahren wir kurzerhand die Straße wieder zurück und versuchen unser Glück in der Hochsaison um 19 Uhr am Gardasee. Die ersten zwei Campingplätze weisen uns ab, auf einem dritten, von Holländern geführten Campingplatz in Limone finden wir noch ein freies Plätzchen, welches für 40,-€ die Nacht sogar ein verhältnismäßiges Schnäppchen am Gardasee ist.

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Campingplatz direkt am See

Nach wie vor herrschen draußen knapp 40°C, was uns nicht davon abhält, noch einen kleinen Hügel im Ort zu besteigen und in einem kleinen Restaurant gut und günstig zu Abend zu essen mit einem hervorragenden Blick auf den Gardasee.

Die europäische “Straße des Todes”

Donnerstag, 13.08.2015

Die Nacht schliefen wir mit offener Schiebetür und eigentlich auch irgendwie gar nicht. Kühler als 30°C wurde es gefühlt nicht, und so ist es auch nicht schlimm, dass die Dusche in Ermangelung des passenden 500-Lira-Stückes heute kalt bleibt.

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Unser Stellplatz auf dem Campingplatz in Limone

So fahren wir dann kalt geduscht in den Ort Limone auf der Suche nach Frühstück. Leider ist der Ort fast komplett für PKW gesperrt und auch sonst nicht gerade übersichtlich, sodass wir nach einem obligatorischen Foto des Didimobils mit Palmen auf die abenteuerlichste Etappe unserer Reise starten.

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Endlich Palmen.

Entlang der Gardasena geht es in südlicher Richtung bis Gargnano, wobei die Straße entlang des Seeufers nichts von ihrer Schönheit des nördlichen Abschnittes einbüßt.

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Entlang der Gardasena Occidentale

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Einer der unzähligen Tunnel

In Gargnano verlassen wir den Gardasee und erklimmen über die SP9 die angrenzenden Berge. Gleich in der zweiten Kehre bietet sich uns ein letztes Mal ein traumhaftes Panorama auf den Lago di Garda und auf Gargnano.

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Traumhafter Ausblick

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Für den Strand definitiv zu heiß

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Gargnano

Knapp 500 Höhenmeter später erreichen wir die Staumauer des Lago di Valvestino. Hier oben ist es angenehm kühl im Vergleich zur Region um den Gardasee.

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Staumauer am Lago di Valvestino

Weiter geht die Fahrt hinab zum Idro-See, wo in Anfo die Anfo Ridge Road zum Maniva-Pass abzweigen soll. Dieses kleine Militärsträßchen war mehrere Jahre nach einem Felssturz unpassierbar und es ist fraglich, ob wir es schaffen werden, den Maniva-Pass zu passieren.

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Anfo Ridge Road

Die von Anfo ansteigende Straße ist asphaltiert, jedoch größtenteils nur einspurig und schwer einsehbar, Ausweichstellen gibt es nur sporadisch. Nach ein paar Kilometern nimmt die aufgelockerte Bebauung ab, nach einem kleinen Rasthaus fehlt jedwede Beschilderung und die Straße entwickelt sich zu einer engen Hochgebirgsstraße mit Haarnadelkurven.

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Auffahrt zur Anfo Ridge Road von Anfo aus

Wir haben Glück, dass wir fast das einzige Fahrzeug auf der Straße sind, das letzte Auto begegnete uns vor einer halben Stunde direkt am Anfang der Straße.

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit macht die Straße plötzlich eine scharfe Rechtskurve, vor uns liegt ein hunderte Meter tiefer Abgrund, nur durch vereinzelte Metallpfosten gesichert. Wir halten in der Kurve kurz an, um den Ausblick zu genießen, als uns von hinten ein Geländewagen überholt. Zum Glück ist die Stelle hier ausnahmsweise breit genug für zwei Fahrzeuge, und dass das andere Fahrzeug hier fähr macht Mut, dass die Straße tatsächlich wieder befahrbar ist.

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Abgrund voraus

Hinter der Kurve befindet sich ein unbeleuchteter Tunnel. Er sieht hoch genug für das Didimobil aus, und so wagen wir uns hinein ohne zu wissen, was uns auf der anderen Seite erwarten wird.

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Tunnel: Wenn man reinfährt, wird es dunkel.

Am anderen Ende befindet sich ein kurzer Abschnitt, bei dem es direkt an der senkrecht aufsteigenden Felswand  entlang in einen weiteren Tunnel geht, nach links fällt der Berg immer noch gut hundert Meter senkrecht ab.

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Vorsicht Steinschlag

Die Straße, die sich uns nach dem zweiten Tunnel präsentiert, könnte man auf neudeutsch mit dem Begriff “krass” am besten beschreiben. Einspurig immer an der Felswand und dem tiefen Abgrund entlang, wieder nur durch kleine Metallpfosten gesichert. Gefühlt erinnert uns diese Straße an eine europäische Miniaturausgabe der Camino de la muerte, der Yungas-Straße in Bolivien. In Deutschland wäre diese Straße schon lange von den Behörden für den Verkehr gesperrt worden.

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Anfo Ridge Road

Die Straße ist einfach nur atemberaubend. Wir manövrieren das Didimobil bis zu einer Stelle, die etwas breiter erscheint als der Rest der Straße und verbringen bestimmt noch eine halbe Stunde hier oben und genießen die Ruhe und die grandiose Landschaft.

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Hoffentlich kommt kein Gegenverkehr

Im weiteren Verlauf weicht der Asphaltbelag einer Schotterpiste, immer weiter am Rande des Abgrunds und auch bald ohne die Metallpoller als Sicherung.

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Blick aus dem Didimobil

Käme uns hier ein Fahrzeug entgegen, gäbe es ein mittelgroßes Problem. Kommt es aber nicht und die beiden Fahrzeuge, die wir bislang getroffen hatten, sollen die einzigen beiden Fahrzeuge in den 2,5 Stunden auf den 20 Kilometern sein, die wir treffen.

Kurz vor Giogo del Maniva war die Straße wieder geteert, hier muss auch der Bergrutsch gewesen sein, der die Straße versperrte, denn sie machte einen vergleichsweise frischen Eindruck.

An der Kreuzung mit der SP345 scheint ein kleines Skigebiet zu sein, jedenfalls gibt es zwei bewirtete Gasthäuser, deren Angebot wir dankend annehmen, bevor wir über den Passo Crocedomini die Talfahrt antreten.

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Nur Fliegen ist schöner: Passo Crocedomini

Im Vergleich zum Maniva ist der Crocedomini gut ausgebaut und sogar mit – etwas älteren – Wegweisern versehen. Unser Ziel ist Breno, 29 Kilometer entfernt.

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Wegweiser am Passo Crocedomini

Leider täuschte der dem Zustand der Straße. Nach etwa der Hälfte der Straße endet der Asphaltbelag abrupt, und eine steile Schotterpiste ersetzt die Landstraße.

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Achtung, Tempolimit!

Unterwegs kommen wir noch an einem See vorbei, der sich ganz oben auf einem Berg befindet. Ein Wunder, dass der nicht durch einen Wasserfall ganz schnell entleert wird.

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“Bergsee”

Am Ende des CrocedominiPasses verewigen wir uns standesgemäß noch auf dem Passschild und schauen uns lustige geschnitzte Pilze an einem Stand an, was die Aufmerksamkeit der Besitzerin auf sich zieht. Sie scheint das große Geschäft gewittert zu haben und hört gar nicht wieder auf, uns auf italienisch ihre überteuerten Holzschnitzereien anzudrehen. In jeder noch so kleinen Atempause versuchen wir ihr verständlich zu machen, dass wir sie nicht verstünden, leider ohne Erfolg. Also gehen wir einfach wieder weg und lassen sie weiterreden. Zwar irgendwie unhöflich, aber sonst würden wir vermutlich morgen noch dort stehen.

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Wir waren hier

Nach Breno versuchen wir, etwas Zeit gutzumachen. Die etwa 50 Kilometer über die beiden Pässe haben knapp vier Stunden gedauert, und so nehmen wir die Schnellstraße Richtung Tirano, um von dort den Aufstieg auf den Berninapass anzugehen, wo kurz vor der Passhöhe ein netter Campingplatz sein soll.

Leider soll es uns verwehrt sein, bis dorthin zu gelangen, denn auf halbem Weg den Pass hinauf fängt das Didimobil an, ratternde Geräusche von der Antriebsachse von sich zu geben. Wir tippen auf irgendwas mit dem Getriebe und wenden uns an den ADAC, der eine gute Stunde später einen Mechaniker vorbeischickt.

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Jetzt hat es keine Lust mehr… 🙁

Dieser macht uns nach kurzer Inaugenscheinnahme jedoch Mut und vermutet, dass das Problem ein trockengelaufenes Achslager sein könne und bittet uns, mit ihm in seine Werkstatt am Fuße des Passes zu fahren. Also schön den ganzen Berg wieder hinunter.

Wir dürften die Nacht auf dem Hof hinter der Werkstatt verbringen, er lässt die Kundentoilette für uns geöffnet. Unglaublich netter Mensch, dieser Schweizer.

So kochen wir uns noch eine Suppe und gehen mit etwas gemischten Gefühlen nach einem bis dato fantastischen Tag ins Bett. Morgen früh um acht soll das Didimobil dann auf die Bühne und dann wird sich zeigen, ob die Tour hier beendet ist, oder ob wir morgen doch noch zum Bullitreffen kommen.

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