Rund um Deutschland 2015 – Teil 2 (D) (CZ) Sächsisch-Böhmische Schweiz

Wilde Klammen und einsame Orte

Mittwoch, 29.07.2015

Kühl war es über Nacht, Böhmen ist halt nicht Balaton. 😉 Der Morgen fängt für einen Urlaub ungewohnt früh an, um 8 gibt es Frühstück, denn um kurz vor neun soll bereits der örtliche Linienbus nach Hřensko (auf deutsch: Herrnskretschen) fahren.

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Vysoka Lipa, rechts das Wirtschaftsgebäude unseres Campingplatzes

An der Bushaltestelle wartet bereits eine Menschentraube, der Bus selber kommt mit gut zwanzig Minuten Verspätung bereits gut gefüllt aus Jetřichovice (dt.: Dittersbach) angefahren. Einen guten Euro kostete die halbstündige Busfahrt für die zehn Kilometer nach Hřensko, dafür ist Gruppenkuscheln angesagt. Wieso setzt man da keinen größeren Bus ein oder lässt ihn häufiger als alle zwei Stunden fahren?

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Hrensko/Herrnskretschen

Hřensko ist ein beschaulicher Ort an der Mündung der Kamenice (Kamnitz) in die Elbe und tschechischer Grenzort zu Deutschland. Dementsprechend viele fliegende Händler mit Billigplagiaten aus Fernost bevölkern den Ort, was ein wenig schade ist.

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Hrensko/Herrnskretschen

Unser Ansinnen für heute ist es, durch die beiden Klammen der Kamnitz (Wilde Klamm und Edmundsklamm) zurück nach Visoká Lípa zu laufen. Im Gegensatz zu den Klammen rund um Garmisch-Partenkirchen (siehe Alpenreise 2014) geht es hier gemächlicher zu, an zwei Stellen ist die Klamm jedoch so eng, dass ein Fußweg nicht mehr angelegt werden konnte. Dort geht es mit kleinen Booten weiter, auf deren Fahrt die Tourguides so einige lustig-interessante Anekdoten auf Lager haben.

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Felsformation in der Edmundsklamm

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Mit Booten wird man durch die Klamm gestaakt.

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Anfang/Ende der Bootsstrecke

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Idylle an der Kamnitz

Zwischen den beiden Klammen liegt ein Fußweg von etwa zwei Kilometern Länge, teils durch in den Stein gehauene Tunnel, teils über abenteuerlich verrostete Brücken.

In der Mitte befindet sich ein kleines Rasthaus mit Wetterschutz. Trotz der schon seit jeher bestehenden Nutzung als Touristenattraktion gibt es dort kleine Speisen und Getränke für einen unglaublich günstigen Preis.

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Rasthaus zwischen den beiden Klammen

Wenn man unterwegs die Augen aufhält, endeckt man mit etwas Phantasie viele Figuren, Gesichter und Tiere in den Felsformationen oder alten Baumresten.

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Ich bin Schnappi…

Am Ende der Klammen besteht die Möglichkeit, nach Mezní Louka (dt.: Rainwiese) zu laufen und mit dem Bus zu fahren. Da dieser aber wie erwähnt sehr selten fährt entschliessen wir uns, bis zu unserem Campingplatz zurückzulaufen.

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Hotel Zamececk

Das „Hotel Zámeček“ muss einst ein fürstliches Anwesen gewesen sein, heute scheint es eher geschlossen zu sein und macht einen leicht heruntergekommenen Eindruck, was der Szenerie dieser Landschaft eine unglaubliche Stimmung zwischen Unberührtheit und Horrorfilm verleiht.

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Nebengebäude

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Hotel Lipa – „The Shining 2“

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Beschwerlicher Abstieg

Zurück in unserem Ort haben wir noch etwas Zeit bis zum Abendessen. Wir kehren im Hotel Lípa auf ein Bier ein (mit 0,90€ ist der halbe Liter fast 30% teurer als auf dem Campingplatz!) und entscheiden uns, noch den steilen Abstieg hinunter zur Wüstung Dolský Mlýn (dt.: Grundmühle) auf uns zu nehmen. Der geschichtsträchtige Ort wurde nach dem zweiten Weltkrieg aufgegeben und verfällt seitdem zusehends, vorher beherbergte die Grundmühle mehrere Ausflugslokale und war sogar mit Kähnen mit den beiden Klammen verbunden.

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Ruine der Grundmühle

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Auch in Böhmen bekannt: Steinmännchen

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Grundmühle

Der Aufstieg ist dementsprechend noch beschwerlicher, dafür wartet aber unser „All-inclusive“-Abendessen auf dem Campingplatz auf uns und ein leckeres kaltes Bier für 0,70€/halber Liter. 🙂

Kuhstall – ohne Muh und Aber

Donnerstag, 30.07.2015

Welch ein Unterschied Sonnenschein doch macht. Auch heute morgen stehen wir um acht auf in der Hoffnung, dass die aus genau drei dünnen Strahlen bestehende Dusche zumindest einen lauwarmen Strahl von sich gibt. Tut sie leider wieder nicht.

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Gar nicht mehr so Horrorfilm 😉

Das Hotel Lípa sieht bei Sonnenschein gleich viel freundlicher aus, allerdings soll sich gleich noch ein ganz anderes Problem für uns ergeben: Wir wollen heute zum Kuhstall mitten in die Sächsische Schweiz, dafür benötigen wir den Anschlussbus in Hřensko. Leider ist unser Bus nicht nur wieder viel zu spät, sondern bereits hoffnunglos überfüllt, als er in Vysoká Lípa ankommt. Alle etwa dreißig wartenden Personen passen keineswegs mehr hinein, und der Fahrer besteht darauf, dass höchsten noch eine einzelne Person mitfahren dürfe. Zum Glück bekommt das ein wartender Tscheche mit und diskutiert mit dem Fahrer so lange, dass er zumindest uns beide mitnimmt, der Rest inklusive unserem „Helden“ muss leider zurückbleiben und zwei Stunden auf den nächsten Bus warten.

Der Name für „Bushaltestelle“ ist auf tschechisch übrigens „Zastávka!“, was wir ab sofort als tschechisches Fluchwort in unseren Sprachgebrauch aufgenommen haben.

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Kirnitzschtalbahn

Zum Umsteigen haben wir zum Glück genügend Zeit eingeplant, und auch in Bad Schandau brauchen wir nicht lange auf die Kirnitzschtalbahn (wer denkt sich eigentlich solche Namen aus?) warten. Diese Überlandstraßenbahn fährt entlang der namensgebenden Kirnitzsch in einer guten halben Stunde zum Lichtenhaier Wasserfall, einem Ausflugslokal mit angeschlossenem Wasserfall. Das Besondere daran ist, dass er mit einer Sperre künstlich klein gehalten wird und alle halbe Stunde die Sperre geöffnet wird, damit er für ein paar Sekunden seine volle Pracht entfalten kann.

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Ausflugslokal Lichtenhainer Wasserfall

Stetig steil bergauf verläuft ein gut ausgebauter Wanderweg vom Wasserfall zum Kuhstall, einer imposanten Felserhebung, die gleichzeitig einen natürlichen Tunnel bildet. Vermutlich hat er daher auch seinen Namen.

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Kuhstall

Der Blick „aus dem Kuhstall heraus“ lässt einen weit über den Naturpark Sächsische Schweiz mit seinen Tannenwäldern und schroffen felsformationen blicken.

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Blick aus dem Kuhstall

Über die Himmelsleiter, eine sehr schmale Treppe in einer Felsspalte, gelangt man eine Etage höher auf die Oberseite des Kuhstalls. Der Abstieg erfolgt glücklicherweise auf der gegenüberliegenden Seite, sodass Gegenverkehr auf den etwa 60 Stufen ausgeschlossen werden kann.

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Himmelsleiter

Oben bietet sich ein grandioser Rundumblick über die Sächsisch-Böhmische Schweiz.

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Vom Kuhstall

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Typische Felsnadeln der Sächsischen Schweiz

Etwas abseits des Kuhstalls bieten sich auch für Ungeübte tolle Möglichkeiten, in den Felsen herumzukraxeln. Wer sich traut, findet dabei manchmal verborgene Ecken, die sich als Fotostandpunkt hervorragend eignen.

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Ausguck

Der Abstieg erfolgt entlang einer kleinen Felsschlucht auf der entgegengesetzten Seite unseres Aufstieges und über unspektakuläre Wirtschaftswege zurück zur Kirnitzschtalbahn. Die Rückfahrt verläuft reibungslos, sodass wir vor dem Abendessen noch etwas Zeit im Didimobil zum Entspannen haben .

Tor, Tor, Prebischtor

Freitag, 31.07.2015

Endlich mal ausschlafen. Heute wollen wir zum Pravčická brána (dt.: Prebischtor) wandern, dem größten natürlichen Felsbogen Europas. Dafür reicht es, den Elfuhr-Bus zu nehmen.

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Das Didimobil hatte drei Tage Ruhe

Der etwa 1,5-stündige Aufstieg zum Prebischtor ist landschaftlich durchaus reizvoll, führt er doch von Mezní Louka aus immer entlang des Bergrandes und bietet so tolle Aus- und Weitblicke auf die Böhmische Schweiz.

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Angkor Wat?

Am Prebischtor selbst befindet sich ein Restaurant. Mittels einer Materialseilbahn werden die benötigten Lebensmittel aus dem Tal hier nach oben befördert, die Angestellten müssen morgens und abends die gute Stunde Fußweg von der nächsten Straße aus einplanen.

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Gasthaus am Prebischtor

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Didi am Prebischtor. 😉

Nach einer Stärkung bei Gulasch und Knödeln (irgendwie sind tschechische Knödel vergleichsweise trocken und fad…) geht es dann noch hinauf auf einen kleinen Rundweg mit tollem Ausblick auf das Prebischtor. Der Steinbogen selbst darf seit einigen Jahren nicht mehr betreten werden.

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Prebischtor

In der anderen Richtung fällt der Blick erneut auf interessante Gesteinsformationen und die Weite der Böhmischen Schweiz.

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Didi und Josha am Prebischtor

Für den Abstieg wählen wir einen kürzeren, dafür aber steileren Weg, warten eine halbe Stunde auf den Bus und fahren zum Abendessen nach Hause.

Anschließend machen wir noch einen abendlichen Ausflug zum berühmten Basteifelsen zum Sonnenuntergang. Das Schöne dabei ist, dass sich um diese Zeit kaum noch andere Touristen hier weit oberhalb des Kurortes Rathen aufhalten.

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Kurort Rathen und Lilienstein von der Bastei aus gesehen.

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Festung Königstein

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Blick in den Sonnenuntergang Richtung Dresden

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Basteibrücke mit Mond

Gegen 23 Uhr sind wir wieder zurück auf dem Campingplatz, genehmigen uns noch ein Bier und begeben uns zur Nachtruhe.

2 Replies to “Rund um Deutschland 2015 – Teil 2 (D) (CZ) Sächsisch-Böhmische Schweiz”

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