Bergbau im Westharz

Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. Weit über ein Jahrtausend spielte der Bergbau im Westharz eine übergeordnete Rolle, hier befanden sich einst die wichtigsten Erzförderstätten der Welt. Anfang des letzten Jahrhunderts waren die Vorkommen jedoch erschöpft, und die ausschließliche Ausrichtung auf den Bergbau im Westharz sorgte schnell für einen rapiden wirtschaftlichen Abschwung in der gesamten Region. Die kurzzeitige Belebung des Harzes durch den Tourismus erreichte seinen Höhepunkt in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Mangelnde Investitionen führten jedoch bald zu einem merklichen Rückgang der Übernachtungszahlen und damit erneut zu einem Verlust von Arbeitsplätzen, Schließungen von Geschäften und letztendlich zu einer Abwärtsspirale, die dem Westharz den Ruf einer strukturschwachen Region mit morbidem Charme einbrachte.

Foto- und Videogeschäft in Clausthal-Zellerfeld

Foto- und Videogeschäft in Clausthal-Zellerfeld

Nach Aufgabe des Bergbaus im Westharz wurden einige der bis zu 1.000 Meter tiefen Schächte oftmals in ehrenamtlicher Arbeit zu Museumsstollen und Besucherbergwerken umgebaut. Die vielen künstlichen, über Jahrhunderte entstandenen Bauten insbesondere zur Entwässerung der Stollen entlang des Ober- und Westharzes sind auch heute noch in großen Teilen erhalten und geben einen einzigartigen Einblick in den Bergbau im Westharz. Dies führte 1978 zur Eintragung als Kulturdenkmal und 2010 zur Aufnahme ins UNESCO Weltkulturerbe als „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“.

Mittlerer Pfauenteich

Mittlerer Pfauenteich, Clausthal-Zellerfeld

Als das Didimobil am Mittwoch auf dem Campingplatz ankam und Didi freudestrahlend erwähnte, er wolle den Westharz erkunden, erwiderte die nette Rezeptionistin prompt, er solle sich lieber den Osten des Harzes anschauen. Der sei wesentlich interessanter und besser erschlossen.

Mit dem 9-Euro-Ticket durch den Westharz

Der Didi kennt den Ostharz bereits, und wer diesen Blog aufmerksam verfolgt weiß auch, dass der Didi mit dem Osten der Republik aufgrund politischer Differenzen mal mehr, mal weniger auf Kriegsfuß steht. Von daher war es eine bewusste Entscheidung, dieses Jahr dem Westharz einen Besuch abzustatten. Der Campingplatz bei Goslar eignet sich dafür hervorragend, zumal der Westharz über ein für Urlauber annehmbares öffentliches Linienbusnetz verfügt, welches mit dem bundesweit gültigen 9-Euro-Ticket benutzbar ist.

Mit dem 9-Euro-Ticket durch den Westharz

Mit dem 9-Euro-Ticket durch den Westharz

Nachdem Didi in den letzten beiden Tagen aufgrund des Austausches der Lichtmaschine am Didimobil räumlich an Goslar gebunden war, soll es heute per Linienbus in das Tal der Innerste gehen. Das Besucherbergwerk „Lautenthals Glück“ in Lautenthal wirbt mit einer einzigartigen (rekonstruierten) Erzkahnfahrt unter Tage, das klingt interessant. Es gibt eine Führung um 11 Uhr, an Wochenenden und Ferientagen ist eine vorherige Anmeldung ratsam, heißt es auf der Internetseite.

Mit dem Bus ins Innerstetal

Wenn man – wie Didi dieses Jahr – Ausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternehmen möchte, ist es ratsam, ein wenig in die Vorplanung zu investieren. So wusste Didi schon gestern Abend, dass es nur eine sehr begrenzte Platzzahl auf den Führungen gibt, der Linienbus am Samstag nur alle zwei Stunden verkehrt und zu allem Überrfluss erst zehn Minuten vor Führungsbeginn am Bergwerksmuseum ankommt. In der Hoffnung, dass sich vor neun Uhr heute morgen jemand zurückmeldet, wurde gestern Abend aus dem Bulli heraus eine e-Mail verschickt.

Bergbau- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld

Bergbau- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld

Die Bushaltestelle am Campingplatz hört übrigens auf den Namen „Sennhütte“. Von hier geht es morgens um halb zehn mit einem überraschend gut besetzten Linienbus die Serpentinen nach Hahnenklee hinauf inklusive kleiner Stadtrundfahrt. Endpunkt der Fahrt ist Clausthal-Zellerfeld, einst eine der wichtigsten Bergbaustädte im Westharz und heute Universitätsstadt – natürlich mit Schwerpunkt Bergbau. Zwanzig Minuten Zeit, bis der Anschlussbus fährt, also erst einmal einen Kaffee in einer örtlichen Bäckerei besorgen.

Für eine Universitätsstadt, so fällt es sofort auf, sind hier am Samstagmorgen um zehn Uhr ausserordentlich viele sehr alte Menschen unterwegs. Vermutlich alles emeritierte Professoren, jedenfalls dauert es eine Ewigkeit, bis „Professor Hastig“ vor mir seine Bestellung an Brötchen und Kuchen für sich und seine Gertrud zusammen hat, um anschließend wie auf Kommando einfach so platzfüllend in der Tür stehenzubleiben. Die Bedienung hinter dem Tresen hat sich selbstverständlich der Geschwindigkeit des Professors angepasst, sodass der Bestellvorgang für einen Kaffee insgesamt länger dauert, als die Entleerung des schwarzen Lebenselixiers in den Kunden.

Bergwerksmuseum Lautenthals Glück

Bergwerksmuseum Lautenthals Glück

Kaum vor der Tür klingelt das Mobiltelefon. Der Mitarbeiter an der Kasse hat gerade meine e-Mail gefunden. Gar kein Problem, Platz gibt es noch genügend, und auf den Bus warte man selbstverständlich – also keine Eile.

Bergwerksmuseum Lautenthals Glück

Der sehr bequeme Linienbus nach Lautenthal kommt pünktlich, die Hamburger Fahrkarte wird anstandslos akzeptiert. Knapp 20 Minuten dauert die landschaftlich schöne Fahrt nach Lautenthal, unterwegs sind immer wieder Relikte des Bergbaus durch die großen Panoramafenster zu sehen. Unterwegs kommt der Bus noch an einem anderen Besucherbergwerk vorbei, dem 19-Lachter-Stollen in Wildemann. Komische Namen haben die hier alle.

Ehemals Freie Bergstadt Lautenthal

Ehemals freie Bergstadt Lautenthal

Um zehn Minuten vor elf komme ich am Bergbaumuseum Lautenthals Glück an, man erwartet mich schon. Auch eine Großfamilie, die nicht wirklich weiss, ob sie nun drei oder vier (fast erwachsene) Kinder hat, bekommt problemlos ohne Anmeldung noch einen Platz auf der Führung, und selbstverständlich wird noch auf Papa und einen dringenden Toilettengang gewartet. Alles recht gemütlich und entspannt hier, obwohl Wochenenden und Ferien (beides trifft zu) zu den „stark besuchten Tagen“ gehören.

Werkstattgebäude Lautenthals Glück

Werkstattgebäude Lautenthals Glück

Mit der Grubenbahn unter Tage

Treffpunkt der Führung ist das Werkstatthaus am Ende des schmalen Museumsgeländes. Stilecht mit Helm ausgestattet startet man von hier mit der Grubenbahn unter Tage. Die Fahrt hinein in den Tiefen Sachsen Stollen des ehemaligen Silberbergwerkes Lautenthals Glück dauert rund fünf Minuten. Vom Grubenbahnhof unter Tage geht es zu Fuß weiter.

Grubenbahn Lautenthals Glück

Grubenbahn Lautenthals Glück

Erst zum Fahrkorb, welcher die einzelnen Schächte der Grube Lautenthals Glück bis auf eine Tiefe von 1.000 Metern miteinander verband. Heute ist er nicht mehr in Betrieb. Der Schacht selber ist jedoch per Leiter noch bis zum Ernst-August-Stollen für Wartungsarbeiten begehbar. Die tiefer gelegenen Schächte und Anlagen wurden nach der Einstellung des Bergbaus 1930 durch Abschaltung der Wasserpumpen bis dorthin geflutet.

Fahrkorb, Grube Lautenthals Glück

Fahrkorb, Grube Lautenthals Glück

Durch schmale Gänge geht es weiter zu einer untertägigen Kapelle, die im Jahre 1908 errichtet wurde und zu einer Demonstration einiger druckluftbetriebener Erzabbauwerkzeuge, bevor es nach einer guten Stunde mit der Grubenbahn zurück ans Tageslicht geht.

Erzkahnfahrt unter Tage

Als Alleinstellungsmerkmal wirbt das Besucherbergwerk Lautenthals Glück mit einer rekonstruierten Erzkahnfahrt unter Tage. Hierfür dürfen alle, die nach der überaus lehrreichen Führung unter Tage noch Lust haben, in einen nachgebauten Stollen im Keller unter dem Kassenhäuschen kommen. Mit viel Liebe zum Detail wurde hier ein Stollen aus dem 19. Jahrhundert nachgebaut, allerdings sieht man ihm seine künstliche Herkunft deutlich an. Am Ende des Stollens befindet sich ein etwa 300 Meter langer Kanal und eine Art Bahnhof mit Sitzgelegenheiten. Dies erinnert schon eher an den Einstieg einer Wildwasserbahn in einem Freizeitpark als an ein echtes Bergwerk.

Erzkahnfahrt im Besucherbergwerk Lautenthals Glück

Erzkahnfahrt im Besucherbergwerk Lautenthals Glück

Mit Kähnen dieser Art wurden früher die Erze über mehrere Kilometer aus dem Berg hinaus gebracht. Gleichzeitig dienten diese Wasserstraßen unter Tage der Entwässerung der Bergwerke. Jede:r Besucher:in darf hier mit bis zu sechs Personen versuchen, den Kahn mit Muskelkraft an einem an der Decke gespannten Seil bis ans Ende der Strecke und wieder zurück zu bewegen. Macht Spaß, fühlt sich in der direkten Umgebung eines echten Bergwerkes aber irgendwie falsch an.

Luftkurort Lautenthal

Nach knapp zwei Stunden verlasse ich das Besucherbergwerk Lautenthals Glück. Wer gerade in der Gegend ist, sollte gerne einen Abstecher hierher machen, die Führung ist durchaus interessant und lehrreich und man lernt viel über das komplexe Zusammenspiel der vielen verschiedenen Bergwerke im Oberharz. Da der Linienbus hier nur alle zwei Stunden verkehrt und der nächste Bus erst in einer Stunde kommt, mache ich mich auf Nahrungssuche in den kleinen Luftkurort Lautenthal.

Zwergen Stübchen
Zwergen Stübchen Lautenthal
Brauerei Lautenthal
Lautenthal

Am Rand der Straße wirbt eine überdimensionale, blinkende rote Leuchtreklame für ein Hotel und Gaststätte „Berliner Bär“. Sieht eher wie eine Werbung für ein horizontales Gewerbe aus. Etwas weiter befindet sich der „Harzer Schnitzelkönig“. Riesiges Lokal, wenige Kunden. Sieht nach Touristenabzocke aus in einer Region, wo kaum Touristen sind. Ich gehe weiter in den Ort hinein. Schnuckelige kleine Holzhäuser, die meisten etwas in die Tage gekommen. Am „Zwergen Stübchen“ hängt zwar eine ukrainische Flagge, aber auch noch die Weihnachtsdekoration. Die „Städtische Brauerei“ braut seit 1959 kein Bier mehr, das heute dort ansässige Museum öffnet nur nach Anmeldung und auch nur für Gruppen über 10 Personen.

Luftkurort Lautenthal

Luftkurort Lautenthal

Etwas oberhalb der Stadt befindet sich der Maaßener Gaipel. Neben einem weiteren Stollenmund des Bergwerks Lautenthals Glück befindet sich dort der Nachbau eines Kunstrades mit Feldgestänge sowie eine kleine Gastwirtschaft. Im Internet hatte ich jedoch bereits recherchiert, dass um 15:30 eine Führung im 19-Lachter-Stollen im Nachbarort Wildemann stattfinden soll. Hier macht sich der Nachteil des ÖPNV gegenüber des eigenen PKW bemerkbar: Beides ist bei einem 2-Stunden-Takt des ÖPNV nicht möglich, und so entscheide ich mich dafür, mit dem Bus zurück nach Wildemann zu fahren und ein weiteres Bergwerk zu besichtigen. Vielleicht gibt es dort ja auch etwas zu essen.

Wildemann

Neben der Bushaltestelle in Lautenthal befindet sich die Touristen-Information. Geöffnet an fünf Tagen in der Woche für mehrere Stunden vormittags und nachmittags, sowie an Samstagen am Vormittag. Dennoch scheint es kaum einen Touristen mitten in den Sommerferien in dieses kleine Örtchen zu ziehen, dessen Infrastruktur auf einstmals bessere Zeiten hindeutet.

Der Bus kommt pünktlich, zehn Minuten sind es bis Wildemann. Bis 1976 verkehrte parallel zur Straße die Innerstetalbahn von Goslar/Langelsheim über Clausthal-Zellerfeld bis nach Altenau. Heute befindet sich auf der ehemaligen Bahntrasse ein beliebter Rad- und Wanderweg.

Mit dem Bus zurück nach Wildemann

Mit dem Bus zurück nach Wildemann

Der 19-Lachter-Stollen ist ein ehemaliger Wasserlösungsstollen. Als solcher hatte er die vorrangige Aufgabe, die oberhalb im Harzer Bergbaurevier liegenden Gruben zu entwässern. Er wurde bereits im Jahre 1551 begonnen, seine endgültige Länge von 8,8 Kilometer hatte er erst über 100 Jahre später, 1690, erreicht. Heute sind gut 500 Meter als Besucherbergwerk Wildemann zugänglich. Es werden täglich drei Führungen angeboten, die Führung um 15:30 Uhr jedoch nur bei einer Mindestteilnehmerzahl von fünf Personen.

19-Lachter-Stollen, Wildemann

19-Lachter-Stollen, Wildemann

19-Lachter-Stollen

Der Bus erreicht Wildemann um zehn nach zwei, von der Bushaltestelle am ehemaligen Bahnhof kann man das kleine Besucherzentrum des 19-Lachter-Stollen bereits sehen. Fünf Minuten Fußweg später erreiche ich den Eingang, eine kleine Gruppe blau behelmter Menschen (nein, nicht die von der UN) wuselt umher. Dies sei die 14-Uhr-Führung, und ob ich mich dieser noch anschließen möchte? Den Ausstellungsraum würde mir der nette Guide am Ende noch einmal zeigen.

1887

1887

Hätte ich gewusst, dass zumindest das Mundloch aus dem dem Jahr der Gründung des Fußball-Erzrivalen stammt, hätte ich mir vielleicht doch keinen blauen Helm aufgesetzt. So habe ich keine Wahl und muss unfreiwillig das Tor nach Mordor passieren – und auch noch hinter mir gut verschließen. Nun stehe ich also da in der spärlich beleuchteten Grube von 1887, und obwohl der großartige Guide mit Herzblut die Geschichte des Jahrhunderte alten Stollens erklärt, wäre meinem Herzen ein Stollen von 1910 insgeheim doch lieber. 😉

Im 19-Lachter-Stollen

Im 19-Lachter-Stollen

Der 19-Lachter-Stollen wird komplett zu Fuß „befahren“. In der Sprache der Bergleute gibt es so manche Ungereimtheit im Vergleich mit der normalen Sprache über Tage. So wird jede Bewegung im Bergwerk als „fahren“ bezeichnet, ganz egal, ob zu Fuß, auf einem Maultier oder per Eisenbahn. Schön zu sehen sind auf dem langen Gang in den Berg hinein die vielen verschiedenen Ausbauvarianten eines Harzer Bergwerkes. Je nach Gesteinsart werden entweder keinerlei Abstützungen der Gänge benötigt, manchmal reichen Holzstützen und an anderen Stellen muss der Stollen mit Eisenringen gesichert werden.

Ernst-August-Schacht, 261m

Sehr sehenswert sind die abzweigenden wasserführenden Stollen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein tiefer Abgrund, entpuppt sich erst bei genauerem Hinsehen als ein spiegelglatter Wasserlauf mit seitlichem Wartungsweg. Erkennbar nur an der Spiegelung des an der Decke hängenden Stromkabels.

Spiegelglattes Wasser

Spiegelglattes Wasser

Der 19-Lachter-Stollen wartet mit gleich mehreren Highlights auf. Die langen, engen und labyrinthartigen Gänge geben ein gutes Gefühl dafür, wie sich die Bergleute vor hunderten von Jahren hier gefühlt haben müssen, überall ist es feucht und tropft von Wänden und Decke. Am Rande des Blindschachtes zum Ernst-August-Stollens weitet sich der schmale Gang zu einer Art Gewölbe. Von hier wurde 1845 der Ernst-August-Schacht begonnen, welcher 15 Jahre später den 261 Meter tiefer gelegenen Ernst-August-Stollen als wichtigsten Entwässerungsstollen des Harzer Bergbaus erreichte. Über den Schacht führt eine Brücke in Stahlgitterbauweise. Von hier eröffnet sich ein direkter Blick in ein 261 Meter tiefes Loch, an dessen Ende sich der über 30 Kilometer lange Ernst-August-Stollen befindet.

Ernst-August-Schacht, 261 Meter tief

Ernst-August-Schacht, 261 Meter tief

Nur Dank eines Eimer Wassers, welchen der Grubenführer durch das Gitter schüttet, kann man die Tiefe erahnen, auf der man steht. Nach mehreren Sekunden verdunkelt sich ein Punkt am Ende des Schachtes. Dies ist das Zeichen, dass das Wasser aus dem Eimer das ansonsten spiegelglatte Wasser 261 Meter unter den eigenen Füßen erreicht hat.

Großes Kehrrad unter Tage

Weiter geht es zur großen Radstube. Hier tief im Berg befindet sich ein nach wie vor betriebsfähiges Wasser- bzw. Kehrrad von 9 Metern Durchmesser. Angetrieben von Wasser aus höher gelegenen Wasserlösungsstollen treibt es selber Wasserpumpen an, welche Wasser aus tiefer liegenden Schächten pumpt. Im Durchschnitt alle zwölf Jahre müssen diese Holzräder komplett erneuert werden. Dafür werden sie ausserhalb des Bergwerkes gebaut, in Einzelteile zerlegt und vor Ort in den Stollen wieder zusammengebaut.

Kehrrad im 19-Lachter-Stollen

Kehrrad im 19-Lachter-Stollen

Aufgrund der Beschaffenheit des Stollens und da hier keine entzündlichen Materialien abgebaut wurden, ist es sogar möglich, die Arbeitsbedingungen unter Tage mit den damals verwendeten Petroleumlampen zu simulieren, wofür das Licht im gesamten Stollen abgeschaltet werden kann. Ein sehr beklemmendes und faszinierendes Schauspiel zugleich.

Petroleumlampe im Bergbau

Petroleumlampe im Bergbau

Eine gute Stunde dauert die sehr interessante und gefühlt sehr authentische Führung durch den 19-Lachter-Stollen in Wildemann. Es war eine gute Entscheidung, noch hierher zu fahren und auf den Maaßener Gaipel zu verzichten. Wer einmal einen wirklichen Einblick in das Arbeitsleben und die Zusammenhänge des Bergbaus im Ober- und Westharz bekommen möchte, dem sei ein Besuch des 19-Lachter-Stollens in Wildemann wärmstens ans Herz gelegt.

Innerste bei Wildemann

Innerste bei Wildemann

Inzwischen ist es halb vier, ich bekomme noch eine kleine Privatführung durch das winzige Museum und erfahre viel Wissenswertes insbesondere über die Oberharzer Wasserwirtschaft. Die 15:30-Tour fällt mangels Interessenten aus.

Die Innerste

Ich begebe mich zurück in den kleinen Ort Wildemann, habe aber keine große Hoffnung, hier Nahrung zu finden. Es gibt ein kleines Café, welches jedoch nicht sonderlich einladend wirkt. Andere Gaststätten oder Hotels sehen mehr oder weniger lange geschlossen aus. In einer halben Stunde fährt der nächste Bus nach Clausthal-Zellerfeld, dort wird es sicherlich mehr Restaurants und Gaststätten geben. Also schlendere ich noch ein wenig entlang des Flüßchens Innerste.

Ehemalige Eisenbahnbrücke der Innerstetalbahn

Ehemalige Brücke über die Innerste

Der Bus kommt wie gewohnt pünktlich. Mit bequemen Sitzen und großen Panoramafenstern macht es richtig Spaß, sich durch die wunderschöne Landschaft des nördlichsten Mittelgebirges Deutschlands chauffieren zu lassen. In Clausthal-Zellerfeld steige ich in der Stadtmitte aus und schlendere die Hauptstraße Richtung Holzkirche entlang. Die 1642 erbaute Marktkirche zum Heiligen Geist ist die größte Holzkirche Deutschlands und mit ihrem blauen Farbanstrich das Wahrzeichen der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld.

Marktkirche zum Heiligen Geist

Marktkirche zum Heiligen Geist

Etwas zu Essen (ausser Döner und Pizza) findet man in ihrer Umgebung jedoch nicht, sodass ich mit dem nächsten Bus nach Hahnenklee fahre. Hier „tobt“ das Leben voller holländischer und ostdeutsch sprechender Touristen, und ich finde auch promt ein gutes Lokal mit leckerem Essen und kühlem Bier. Gegen 20 Uhr mache ich mich schließlich auf den Weg zurück zum Didimobil und lasse den Abend bei einem weiteren Bier ausklingen.

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