Altes Land & Hansestadt Stade

Das Alte Land ist die bedeutendste Obstanbauregion Deutschlands im nordwestlichen Niedersachsen. Die überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region erstreckt sich rund 20 Kilometer entlang der Elbe von der Hamburger Stadt- und Landesgrenze im Osten bis zur historischen Hansestadt Stade im Westen. Als Teil der Elbmarsch bildet die Elbe die nördliche Grenze, im Süden wird das Alte Land von den Harburger Bergen von der Lüneburger Heide abgegrenzt.

Containerterminal Altenwerder, Hamburg

Containerterminal Altenwerder, Hamburg

Eine Tour ins Alte Land beginnt man am besten im Hamburger Hafen. Über eines der Wahrzeichen Hamburgs, die Köhlbrandbrücke, gelangt man nach Altenwerder. Einst als dringende Hafenerweiterung dem Erdboden gleich gemacht, überlebte lediglich die Altenwerderaner Kirche St. Gertrud den Rückbau des Ortsteils. Inzwischen prägt der Container-Terminal Altenwerder das Bild des einstigen Dorfes in der Großstadt.

Prunkvolle Pforte im Alten Land

Prunkvolle Pforte im Alten Land

Altes Land – Entlang der Elbe zur Hansestadt Stade

Von Altenwerder aus führt der Moorburger Elbdeich Richtung Neuenfelde. Alte Bauernhäuser mit prunkvollen Pforten zeugen vom Wohlstand nicht nur vergangener Tage, die Siedlungen folgen größtenteils den wenigen schmalen Deichstraßen. Bereits im 12. Jahrhundert wurden die von den Gezeiten beeinflussten Elbmarschen mit Hilfe Holländischer Kolonialisten durch Eindeichung nutzbar gemacht, seitdem durchziehen etliche Be- und Entwässerungskanäle das Alte Land.

Este-Sperrwerk in Cranz

Este-Sperrwerk in Cranz

Drei Flüsse durchziehen das Alte Land von Süd nach Nord: Im Osten die Este, in der Mitte die Lühe und im Westen die Schwinge. In früheren Zeiten war die Este eine wichtige Handelsroute insbesondere für die – tatsächlich existierende – Stadt Buxtehude, wo bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges viele Industriebetriebe ihre Waren verschifften. Von der einstigen Bedeutung der Este für die Schiffahrt zeugen heute noch das Este-Sperrwerk in Cranz an der Hamburg-Niedersächsischen Landesgrenze sowie die benachbarte Sietas-Werft, in der hauptsächlich kleine bis mittelgroße Containerschiffe gebaut werden.

Jork

Spätestens mit Überqueren der Este hat man die niedersächsische Bundeslandgrenze überschritten und befindet sich mitten im Alten Land.

Jork

Jork

Das Zentrum der deutschen Apfelzucht befindet sich in der Kleinstadt Jork. Über die Jahrhunderte wurden hier nicht nur neue Apfelsorten wie “Gloster 69” oder “Jamba” gezüchtet, von 1885 bis 1932 war Jork auch das Verwaltungszentrum des Alten Land und sogar der Stadt Buxtehude. Geblieben ist eine kleine Altstadtgasse, die “Bürgerei”, sowie die bekannte Aurora-Windmühle im Ortsteil Borstel aus dem Jahre 1856, welche heute ein Restaurant beherbergt.

Windmühle "Aurora", Jork

Windmühle “Aurora”, Jork

Der Einfluss der Holländer im Alten Land

Entlang des eingedeichten Flusses Lühe ist der Einfluss der ehemaligen holländischen Siedler im Alten Land unverkennbar. Viele Zwei- und Dreiständerhäuser säumen die schmalen Straßen entlang des Deiches und bieten immer wieder schöne Fotomotive. An Wochenenden und zur Zeit der Apfelblüte Ende April/Anfang Mai sind hier jedoch die Straßen oftmals von Heerscharen an Touristen verstopft und Rentnergruppen werden mit Reisebussen von nah und fern zum Kaffeekränzchen gekarrt. Wer es einrichten kann, versucht diese Tage zu meiden. 😉

Lühe-Deich in Mittelnkirchen

Lühe-Deich in Mittelnkirchen

Die holländischen Einflüsse sind auch an der kleinen Gemeinde Steinkirchen an der Lühe nicht spurlos vorbeigegangen. Viele Gärten haben direkten Zugang zur eingedeichten und kanalisierten Lühe, und auch heute hält die Verbundenheit mit den Holländern noch an: Mit der Hogendiekbrücke wurde erst im Jahre 1975 eine Holzbrücke über die Lühe im holländischen Stil errichtet.

Lühe bei Steinkirchen

Lühe bei Steinkirchen

Obwohl die Hogendiekbrück den Besucher sofort in die Niederlande versetzt, so ist der Klappmechanismus der Lühe-Brücke reine Zierde. Die nach rund 40 Jahren bereits einmal komplett erneuerte Brücke hat keinerlei Funktion, dafür eine vergleichsweise hohe Durchfahrtshöhe für Freizeitskipper.

Hogendiekbrücke

Hogendiekbrücke

Altes Land: Größtes Obstanbaugebiet Europas

Auf über 100km² erstreckt sich das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas zwischen Hamburg, Buxtehude und Stade. Bei mehr als drei Vierteln der im Alten Land angebauten Obstbäume handelt es sich um Apfelbäume. Zur Erntezeit im September/Oktober sieht man überall im Alten Land Treckergespanne mit kiloweise rot und grün leuchtenden Äpfeln durch die Gegend fahren, viele Hofcafés laden zum Apfelkuchenessen ein.

Apfelernte im September

Apfelernte im September

Warten auf den Einsatz: Apfelernte im Alten Land

Warten auf den Einsatz: Apfelernte im Alten Land

Entlang des Elbdeiches gelangt man vom Alten Land in die ehemalige Hansestadt Stade, rund 45 Kilometer westlich von Hamburg. Unterwegs kann man mit Glück auch eine der typischen Deichschafherden treffen, die ihre ganze Energie in die Pflege des Hochwasserschutzes stecken, indem sie das Gras kurz halten und den Boden regelmäßig verdichten.

Elbdeich zwischen Lühe und Stade

Elbdeich zwischen Lühe und Stade

Hansestadt Stade

Die Hansestadt Stade mit knapp 50.000 Einwohnern wurde im Jahre 994 erstmals urkundlich erwähnt. Etwa vier Kilometer landeinwärts von der Elbe aus gesehen liegt die Stadt an der Schwinge. Nach einer Plünderung durch die Wikinger wurde der Alte Hansehafen angelegt, welcher gegen 1300 an seine heutige Position verlegt wurde. Stade besticht durch eine hervorragend sanierte Altstadt, deren meisten Gebäude aus dem späten 17. Jahrhundert stammen, einzelne Gebäude haben jedoch auch den großen Stadtbrand von 1659 überstanden.

Altstadt von Stade

Altstadt von Stade

Wer mit dem Auto vom Alten Land in die Hansestadt Stade kommt, findet rund um den modernen Hafen etliche gebührenpflichtige Parkplätze. Von hier ist es nicht weit bis in die Fußgängerzone der historischen Altstadt.

Stadthafen Stade

Hansehafen Stade

Zentraler Ort ist der Alte Hansehafen mit dem historischen Tretkran am Fischmarkt. Die Gebäude auf der Westseite des kleinen historischen Hafens haben den großen Brand 1659 nahezu unbeschadet überstanden und datieren bis ins 15. Jahrhundert zurück.

Fischfrau, Skulptur am Hafen von Stade

Fischfrau, Skulptur am Hafen von Stade

Rund um den Hansehafen haben sich eine Vielzahl gastronomischer Betriebe angesiedelt. An schönen Sommertagen kann es manchmal schwer werden, hier einen der begehrten Plätze am Wasser zu finden, zum Beispiel neben der Fischfrau, einer von vielen liebenswerten Skulpturen, welche sich überall in der Stadt finden lassen.

Alter Hafen, Stade

Alter Hafen, Stade

Stade

Stade

Hansestadt Stade

Hansestadt Stade

Altes Land und Hansestadt Stade mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Stade ist stündlich von Hamburg aus bequem mit der Regionalbahn Hamburg – Cuxhaven in weniger als einer Stunde erreichbar. Vom Bahnhof aus ist die Altstadt zu Fuß in fünf bis zehn Minuten erreichbar.

Das Alte Land hingegen ist aufgrund seiner eher geringen Bevölkerungsdichte nur spärlich an den ÖPNV angebunden. Hier empfiehlt sich eine Erkundung per Auto oder Fahrrad. Wochentags pendelt die Buslinie 2050 stündlich zwischen Stade, Mittelnkirchen und Jork, die Buslinie 2040 verbindet Jork stündlich mit dem Bahnhof Buxtehude und Cranz. An Wochenenden beschränkt sich das Angebot auf beiden Linien auf vier Fahrten pro Tag.

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