PROTOKOLL DER DISKUSSIONSRUNDE DER SCHLOSSPARKNUTZER

16.06.05 - Bericht von der "Jugendversammlung"
Am gestrigen Mittwoch, dem 15.06.05, fand im Schloß eine Versammlung von Schloßparknutzern, Anwohnern, Schloßfreunden und allen Interessierten statt. Hierzu erschienen etwa 60 ReinbekerInnen, davon rund 20 Jugendliche und etliche Verwaltungsmitarbeiter. Die Moderation hat Christoph Schmidt vom Beratungszentrum Südstormarn übernommen, neben ihm befanden sich Bürgermeister Detlef Palm und Aileen Andersson für den neu gewählten Kinder- und Jugendbeirat auf der "Bühne".

Gleich zu Beginn der Diskussion machte Herr SChmidt deutlich, daß man sich nicht mit Vergangenem beschäftigen möchte, sondern gemeinsam versuchen sollte, Lösungen für die Zukunft zu finden. Somit wurde das Thema Sicherheitsdienst, dessen Grundlage und Befugnisse nicht weiter behandelt, auch wurde nicht näher auf die tatsächlichen Vorfälle im Schloßpark eingegangen.

Bürgermeister Palm vertrat für sich selbst als auch für die Stadt Reinbek erneut die Auffassung, daß es ihm und der Stadt keinesfalls um die Vertreibung Jugendlicher aus dem Schloßpark gehe und er sich wünsche, daß die Jahrzehnte alte Tradition der abendlichen, friedlichen Parknutzung auch in Zukunft weitergehe. Er betonte aber gleichzeitig, daß der Schloßpark nicht irgendein Stadtpark sei, wo man bolzen, toben und johlen könne. Auch sei der Park nicht der Ort für ein Picknick oder gar Besäufnis. Der Schloßpark habe das Schloß als Hauptpunkt, wo hochwertige Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, private Veranstaltungen der gehobeneren Kategorie usw. stattfinden. Hier und auch im Laufe der sehr gehaltvollen Diskussion wurde wurde deutlich, daß der Stadt erheblich mehr an dieser zahlenden Kundschaft liegt, als an Jugendlichen, die sich abends mangels alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten im Schloßpark treffen. Trotzdem, so Palm weiter, vertrage sich eine Nutzung des Schloßparks mit den Veranstaltungen im Schloß, wenn sich die Parknutzer "artiger" verhielten als anderswo. Er merkte jedoch auch an, daß es sich bei den auffälligen Störern nur um drei bis zehn Prozent der Besucher handele und man deshalb nicht gleich alle über eien Kamm schere d¨rfe.

Aileen Andersson sprach davon, daß wir offensichtlich nun alle der gleichen Auffassung seien, daß der Park für alle erhalten bleiben muß. Sie merkte ebenfalls an, daß die Präsenz des Wachdienstes nicht das Hauptproblem sei, sondern die Tatsache, daß dieser offenbar ohne Grundlage Leute des Parks verweise. "Wie kann man diffderenzieren zwischen gewalttätigen und friedlichen Jugendlichen, damit die abendlichen friedlichen Nutzer im Park bleuben können?", fragte sie. Auch unter den anwesenden abendlichen Parknutzern gab es durchaus befürwortende Meinungen zum Sicherheitsdienst. "Wenn ein Wachdienst aufpaßt, bringt das schon was. Aber wenn man nicht mehr herdarf?", brachte eine Parknutzerin das aktuelle Problem auf den Punkt.

Die Diskussion bekam dann eine überraschende Wende, als von einem engagierten Bürger angemerkt wurde, daß die Situation im Schloßpark offensichtlich nicht erst seit gestern so sei und was denn beispielsweise die Verantwortlichen bisher getan haben, worauf er großes Schweigen erntete. Das Problem des abendlichen Mülls und der lauten Jugendlichen kann nicht auf den Schloßpark reduziert werden, dies sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, merkte auch Baldur Schneider (SPD) an und bekam Unterstützung von Pit Drewes vom neu geählten Kinder- und Jugendbeirat. In Neuschönningstedt gebe es das gleiche Problem mit Sachbeschädigungen, die er auch nicht gut heißen kann. Im Gegensatz zu anderen Orten in Reinbek ist der Schloßpark über die Jahre zu einem informellen Treffpunkt geworden, den man nicht durch den Einsatz eines Sicherheitsdienstes zerschlagen dürfe, da dies als Provokation aufgefaßt werden wird. Stattdessen solle man diesen Treffpunkt lieber dafür nutzen, mit den Jugendlichen zusammenzuarbeiten und eventuell mit Hilfe von sozialen Organisationen oder städtischen Jugendarbeitern Projekte wie einen Grillplatz mit Pavillon im Park errichten. Denn wenn Städte, Kirchen und andere soziale Träger ständig an der Jugendarbeit kürzen, sei es kein Wunder, wenn einige Jugendliche vermehrt über die Stränge schlagen. Man müsse versuchen, diese Jugendlichen in geordnete Bahnen zu lenken und ihnen Perspektiven aufzeigen.

Palm merkte an, daß Pit die Ursachen treffend beschrieben habe, jedoch der Schloßpark aufgrund der Kultur nicht zu einer verstärkten Stätte für Jugendarbeit machen werden könne, und versuchte erneut, alternative Orte zu finden, um den Treffpunkt SChloßpark zu verlagern (als Beispiel wurde u.a. die Wildkoppel genannt). Er wäre sogar bereit, selber einmal in den Park zu gehen und mit den jugendlichen Nutzern das Gespräch zu suchen, ist sich aber nicht sicher, ob dies irgendeinen Erfolg bringen wird.

Herr Söter, Pächter des Schloßrestaurants, fragte, wo denn die Jugendlichen vor zwei Jahren waren, als es scheinbar noch zu keinerlei "Ausschreitungen" gekommen sei, und ob man diese dann nicht wieder dahin zurückverlagern könne, wo die "Ausschreitungen" vorher waren. Diese Äußerung wurde von einer Parkbesucherin als "unglaublich" kommentiert. Giffey's Partyservice halt...

Heinrich Dierking (Forum21) stellte abschließend fest, daß die "Randale" kein Problem allein des Schloßparks sei und man zusätzlich bedenken müsse, daß es sich bei den Nutzern des Parks sehr wohl nicht nur um Jugendliche, sondern in der Regel auch um junge Erwachsene handelt, die ihren Feierabend dort genießen möchten. Es seien ebenfalls augenscheinlich nur wenige Besucher, die auffällig werden, und auf eben diese Besuchergruppe müsse man das Augenmerk richten anstatt immer alle abendlichen nutzer zu verteufeln. Ein Verweis aus der öffentlichen Fläche Schloßpark sei ein eindeutiger Eingriff in die Grundrechte eines jeden Bürgers.

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