Holländerbrücke wegen Einsturzgefahr gesperrt

Genau vor einer Woche wurde die Holländerbrücke, eine Fußgängerbrücke zwischen dem Reinbeker Stadtteil Hinschendorf und dem Täbyplatz, aufgrund von schweren Baumängeln gesperrt. Nachdem im Sommer 2005 ein Gutachten der Brücke einen kritischen Bauwerkszustand attestiert hatte, haben die Reinbeker Kommunalpolitiker noch im Dezember 2005 einen Neubau der Brücke in diesem Jahr beschlossen.

Am 24.01.2006 wurde dann ein neues Gutachten vorgelegt, welches unter anderem zu der Schlußfolgerung kommt, daß "die Verkehrssicherheit, Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks nicht mehr gegeben" sind. Auszüge aus dem Gutachten findet Ihr auf der rechten Seite.

Aufgrund dieser beiden Gutachten haben sich die Reinbeker Kommunalpolitiker entschieden, Verantwortung zu übernehmen und die Brücke zu schließen.

UPDATE 15.02.06:

Während der Fortsetzung des Bauausschusses am Montag, dem 13.02.2006, wurden erste Schritte zur Verbesserung der Situation an der Holländerbrücke beschlossen. So soll hauptsächlich zur Sicherung des Schulweges schnellstmöglch eine Bedarfsampel für Fußgänger an der Hamburger Straße in Höhe der Holländerbrücke aufgestellt werden. Zusätzlich sollen bis zum 03.03.2006 Behelfsstützen die Standfestigkeit der Brücke wiederherstellen, sodaß die Brücke evtl. im März kurzzeitig wieder geöffnet werden kann.

Zeitgleich soll mit einer Ausschreibung zur Neuerrichtung der Brücke begonnen werden, welche bis April laufen soll. Nach Abschluß der Ausschreibung erfolgt die Auswahl des günstigsten Anbieters, sodaß im Sommer mit einem Abriß und anschließendem Neubau der Brücke gerechnet werden kann.



Bei der Prüfung des Bauwerks nach DIN 1076 wurden folgende relevante Bauwerksgefährdende Schäden festgestellt:

  • Risse im Bereich der Auflagerkonsolen
  • erhöhte Chloridgehalte im Beton
  • freiliegende sowie korrodierte Bewehrung und
  • größere Betonabplatzungen infolge Bewehrungskorrosion
  • ausgeschlagene Treppenstufen
  • Betonabplatzungen im Bereich der Einspannstellen der Brückengelän- der
[...]
Es besteht das Risiko, dass das Mittelteil [aus Spannbeton] aufgrund der vorgefundenen sichtbaren Schäden, verursacht durch Spannungsrisskorrosion im Bereich der Auflager, plötzlich versagen kann.
[...]
Aufgrund der hohen Chlorideintragungen sind die vorgefundenen Schäden am Bauwerk nur als Hinweis zu weiter- reichenden, noch nicht sichtbaren Schädigungen kritisch zu beurteilen.
[...]
Aufzeichnungen von Langzeit- beobachtungen der tragwerksrelevanten Schäden über das vorhandene Bauwerk existieren nicht. Eine Risikoab- schätzung ohne Berücksichtigung des statischen Hintergrundes ist daher nicht möglich.
[...]
Während der Standzeit des Bauwerks erfolgte keine Aufzeichnung/ Protokollierung der Rissentstehung, d.h. die Schadensentwicklung ist nicht bekannt.
[...]
Aufgrund der vorhandenen Schadenbilder besteht der Verdacht, dass die Konstrukton im Bereich der Auflager- konsolen die auftretenden Kräfte nicht mehr aufnehmen kann und ein schlagartiges Versagen des Haupt- tragwerkes möglich ist.
[...]
Die Versagenswahrscheinlichkeit der Konsolen ist anhand der Bewehrungs- führung [...] und dem Rissverlauf zu erkennen. [...] Durch die vorhandenen Schäden und den stetigen Zerstörungs- fortschritt ist die Verkehrs- sicherheit, Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks nicht mehr gegeben.